Die Wissenschaft von der Ur- und Frühgeschichte (Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie) ist eine historische Disziplin. Sie erforscht jene Perioden der Menschheitsgeschichte, die nicht bzw. nicht ausreichend durch Schriftquellen erhellt werden. Dies gilt prinzipiell für die gesamte von Menschen bewohnte Erde. Die Quellen der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie sind Sachaltertümer (Boden- und Wasserfunde sowie Bodendenkmäler), die auf der Basis archäologischer Methodik analysiert und interpretiert werden.
Die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch für das Studium bestimmter, ihrer Methodik zugänglicher Aspekte solcher Zeiträume und Kulturen herangezogen worden, deren Erforschung im wesentlichen auf Schriftquellen beruht und damit in den Bereich der traditionellen historischen Disziplinen (z. B. Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit) fällt. Dies hat zur Ausbildung von archäologischen Spezialdisziplinen geführt, die sich der Methodik der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie bedienen (z. B. Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit).
Die Absolventen des Magisterfaches "Ur- und Frühgeschichte" sind mit der Bergung und Bewahrung sowie mit der Analyse und Interpretation ur- und frühgeschichtlicher Quellen befaßt. Diese fachspezifischen Tätigkeiten können zur Zeit in folgenden Institutionen ausgeübt werden:
Die Zulassungsvoraussetzungen zum Studium der Ur- und Frühgeschichte ergeben sich aus den allgemeinen Vorschriften für die Zulassung zum Hochschulstudium. Darüber hinaus sind zur Magisterprüfung Kenntnisse in zwei Fremdsprachen nachzuweisen. Lateinkenntnisse sind nur dann nicht zur Magisterprüfung nachzuweisen, wenn das erste Nebenfach aus dem Bereich der naturwissenschaftlichen Fakultäten gewählt wird; näheres regelt § 19 Abs. 1 Mag PO. Für ein effektives Studium sind außerdem Kenntnisse in weiteren Fremdsprachen unentbehrlich.
Ziel des Magisterstudiums im Hauptfach ist eine gründliche, dem Forschungsstand entsprechende Ausbildung, die sich an den späteren Tägigkeiten in Institutionen der Bodendenkmalpflege, in Museen sowie in Lehr- und Forschungsstätten orientiert und die Studenten zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit auf dem Gebiet der Ur- und Frühgeschichte befähigen soll. Dies impliziert im einzelnen:
Darüber hinaus sollen sich die Studenten bestimmte Fertigkeiten praktischer Art (z. B. Ausgrabungstechniken) aneignen, die für die berufliche Tätigkeit notwendig sind.
Die Studieninhalte des Hauptfachstudienganges orientieren sich an der inneren Struktur der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Hier lassen sich zwei große Bereiche unterscheiden, und zwar Methodik und Theorie sowie ur- und frühgeschichtliche Kulturentwicklung.
1. Methodik und Theorie
a) Methodik
Die Methodik der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie ist in ihrer forschungsgeschichtlichen Entwicklung sowohl von den Geistes- wie von den Naturwissenschaften geprägt worden. Sie läßt eine Reihe inhaltlich verbundener thematischer Schwerpunkte erkennen, die sich folgendermaßen zusammenfassen lassen:
b) Theorie
Die Theorie der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie betrifft die Basis aller wissenschaftlichen Aussagen über ur- und frühgeschichtliche Kulturerscheinungen. Archäologische Theorie ist somit wesentlich fachspezifische Erkenntnistheorie.
In den Bereich der archäologischen Theorie gehört auch die Auseinandersetzung mit spezifischen Wissenschaftstraditionen, die zu unterschiedlichen Entwicklungen der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie geführt haben (z.B. kontinentaleuropäische Archäologie und anglo-amerikanische Archäologie).
2. Ur- und frühgeschichtliche Kulturentwicklung
Die Vielfalt ur- und frühgeschichtlicher Kulturen läßt sich zunächst einmal auf der Basis ihres zeitlichen und räumlichen Auftretens untergliedern. Da die Kulturentwicklung weltweit nicht einheitlich verlaufen ist, wird eine geographisch-kulturräumliche Aufteilung notwendig. Die folgenden Bemerkungen gelten im wesentlichen für Mitteleuropa.
a) Zeitliche Differenzierung
b) Räumliche Differenzierung
Wenngleich die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie grundsätzlich keine räumlichen Begrenzungen kennt, ergeben sich doch durch die spätere berufliche Tätigkeit der Studenten sowie die wissenschaftliche Ausrichtung der Lehrenden bedingte regionale Schwerpunkte. So hat die Ausbildung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ihren Schwerpunkt im mitteleuropäischen Raum. Da die ur- und frühgeschichtlichen Kulturen Mitteleuropas jedoch zu keiner Zeit ein Eigenleben geführt haben, sind zu ihrem Verständnis auch Kenntnisse der Kulturentwicklung in anderen Großräumen notwendig. So spielt für das Paläolithikum neben dem gesamten europäischen Raum insbesondere Afrika eine wichtige Rolle, für das Neolithikum der Vordere Orient sowie der Balkan und für die vorrömischen Metallzeiten der Mittelmeerraum.
c) Thematische Differenzierung
Ein im Rahmen der Ausbildung wesentlicher Gesichtspunkt ist die thematische Differenzierung der ur- und frühgeschichtlichen Kulturerscheinungen. Hier seien nur einige Aspekte genannt: Siedlung und Besiedlung, Bestattungssitten, Wirtschaft und Gesellschaft.
Der Vermittlung des Lehrstoffes dienen Vorlesungen, Grundkurse, Seminare, Hauptseminare, Übungen, Praktika und Kolloquien. Hinzu kommen Exkursionen, da die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie im Rahmen der Ausbildung nicht auf die eingehende Betrachtung und das direkte Studium der Funde in den Museen und der Geländedenkmäler verzichten kann.
Die Vertiefung des umfangreichen Lehrstoffes innerhalb der Regelstudienzeit erfordert ein intensives Selbststudium.
Der Einführung in die archäologische Praxis dienen Praktika im Gelände (Ausgrabungen, archäologische Landesaufnahme) und in Museen. Da sie im Rahmen der Ausbildung an der Universität Erlangen-Nürnberg nur in sehr bedingtem Maße angeboten werden können, kommt auch hier der Eigeninitiative der Studenten eine große Bedeutung zu. Entsprechende Möglichkeiten bieten die zuständigen staatlichen und kommunalen Institutionen.
Das Studium der Ur- und Frühgeschichte gliedert sich in Grund- und Hauptstudium. Das Grundstudium soll nach dem 4. Semester mit der Zwischenprüfung abgeschlossen werden. Näheres regelt die Zwischenprüfungsordnung.
Der Höchstumfang der für ein planmäßiges Studium im Hauptfach erforderlichen Lehrveranstaltungen beträgt insgesamt bis zu 80 SWS.
A. Grundstudium:
Das Grundstudium umfaßt bis zu 40 SWS, die sich etwa wie folgt verteilen:
B. Hauptstudium:
Das Hauptstudium dient der Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Kenntnisse in allen Teilbereichen, sowie der Bildung eines Schwerpunktes in Hinblick auf die Magisterarbeit. Es umfaßt bis zu 40 SWS, die sich etwa wie folgt verteilen:
C. Grund- und Hauptstudium:
Lehrveranstaltungen, die nicht an einen bestimmten Studienabschnitt gebunden sind:
Studienergänzend wird eine auf die spätere Berufspraxis bezogene Mitarbeit bei Ausgrabungen, bei der archäologischen Landesaufnahme oder im Museumsbereich im Umfang von mindestens 2 Monaten erwartet.
Zur Definition des Faches siehe § 42 Abs. 1 . Die Studienvoraussetzungen für Nebenfachstudenten entsprechen denen für Hauptfachstudenten (siehe § 42 Abs. 3).
Der Magisterstudiengang soll Nebenfachstudenten eine Grundausbildung in Ur- und Frühgeschichtlicher Archäologie vermitteln. Dies impliziert im einzelnen:
Die Studieninhalte des Nebenfachstudienganges orientieren sich wie die des Hauptfachstudienganges an der inneren Struktur der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie (siehe § 42 Abs. 5).
Das Studium der Ur- und Frühgeschichte gliedert sich in Grund- und Hauptstudium. Das Grundstudium soll nach dem 4. Semester mit der Zwischenprüfung abgeschlossen werden. Näheres regelt die Zwischenprüfungsordnung. Der Höchstumfang der für ein planmäßiges Studium im Nebenfach erforderlichen Lehrveranstaltungen beträgt insgesamt bis zu 40 SWS.
A. Grundstudium:
Das Grundstudium umfaßt bis zu 20 SWS, die sich etwa wie folgt verteilen:
B. Hauptstudium:
Das Hauptstudium dient zur weiteren Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Kenntnisse. Es umfaßt bis zu 20 SWS, die sich etwa wie folgt verteilen:
C. Grund- und Hauptstudium:
Lehrveranstaltungen, die nicht an einen bestimmten Studienabschnitt gebunden sind: