Titel

Abteilungen
Mitarbeiter
Vorträge
Projekte
Publikationen
Studium

Links

Uni Erlangen

Streben nach Einmaligkeit? – Reichdekorierte Waffen und Trachtgegenstände aus dem zweiten Viertel des 2. Jahrtausends v. Chr. zwischen praktischer Funktion, Symbol und Kunstwollen.

Nachdem das Sachgut der älteren Frühbronzezeit Mittel- und Südosteuropas durch eine relative Ornamentarmut oder die Verwendung lediglich einfacher Zierelemente gekennzeichnet ist, stellt die Zeitspanne der späten Frühbronzezeit und älteren Mittelbronzezeit nach mitteleuropäischer Terminologie (Bronzezeit A 2b bis B-älter), die in etwa dem zweiten Viertel des 2. Jahrtausends vor Christus entspricht, eine Periode der reichen Entfaltung vielfältiger Ornamentsysteme auf Bronze, Gold und Keramik dar. Einen deutlichen Gegensatz sowohl zu den Stilen der zeitlich vorausgehenden Kulturentwicklung der frühen und entwickelten Frühbronzezeit als auch zu denen der nachfolgenden Hügelgräberkultur der entwickelten und späten Mittelbronzezeit bildet dabei die in unterschiedlichen Ausprägungen sich reich entfaltende kurvolineare bzw. spiraloide Ornamentik.
So markieren der vor allem auf Schwertern und Äxten überlieferte ostungarisch-westrumänische Hajdúsamson-Apa-Stil – der besagten Waffen den Charakter regelrechter Prunkwaffen verleiht – und die Keramikstile der Kulturgruppen von Füzesabony- und Gyulavarsánd-Otomani, Suciu de Sus, Wietenberg, Vatin, Maros/Mureş und Vatya sowie die verschiedenen Regionalgruppen der Inkrustierten Keramik in Form, Machart und Ornament in ihren jeweiligen entwickelten und späten Phasen Höhepunkte der bronzezeitlichen Stilentwicklung. In gewissem Sinne gilt dies auch für den ins zentrale Mitteleuropa vermittelnden Kreis von Mad'arovce-Věteřov-Böheimkirchen, dessen Keramik jedoch von einem deutlich verschiedenen Stilempfinden zeugt.
Diese Ornamentstile sind nicht allein als Ausdruck eines ausschließlich ästhetischen Willens anzusehen, sondern sie fungierten auch als Medium zur Darstellung bestimmter Zeichen als visualisierte Erläuterungen von Aspekten eines begrifflich fassbaren oder nicht fassbaren Bedeutungszusammenhanges. Da es ein Hervorheben, ein Auszeichnen, eine Werterhöhung des geschmückten Gegenstandes bedeutet, kann zudem auch schon das Dekorieren oder Schmücken an sich eine sinnbildliche Bedeutung besitzen.
Im Vortrag werden einige der wichtigsten Gegenstandsgruppen, die Träger dieser in gewisser Weise einzigartigen Ornamentstile der älteren Bronzezeit sind, in ihren jeweiligen kulturellen Kontexten betrachtet, um zum Verständnis dieser besonderen „Ornamentfreude“ – bei der es sich um ein nur vorübergehendes Phänomen handelt, das möglicherweise an eine bestimmte historischen Situation gebunden war,
– weitere Facetten hinzuzufügen.

Zurück zur Übersicht


Universität - Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie - Department Alte Welt und Asiatische Kulturen

Impressum

linie