KOSBACH, Grabhügel 9

(Erlangen-Kosbach, Mfr.)

 

Zeitstellung

Ältere Urnenfelderzeit (Ha A, 12.-11. Jh. v. Chr.)

Hallstattzeit (Ha C-D, 8.-6. Jh. v. Chr.)

Latènezeit (Lt A, 6./5. Jh. v. Chr.)

 

Lage

Im Forstbezirk Mönau-Forst befindet sich eine Gruppe von rund 13 Grabhügeln. Der Hügel 9 und der sogenannte „Kosbacher Altar“ liegen ca. 300 m westlich der Straße von Großdechsendorf nach Kosbach unmittelbar im Norden des Dr. Rudolf Herold Wegs. Wegweiser und eine Informationstafel zeigen die Fundstelle an.

 

Forschungsgeschichte

 

Ansicht 1913

1913 entdeckten Forstarbeiter 2 Bronzearmringe. Diese Funde veranlassten Dr. Rudolf Herold im August 1913 zu einer gründlichen Untersuchung des Fundplatzes. Bei seinen Grabungen konnte er Funde der Hallstattzeit und der Frühlatènezeit bergen. Im Westen schloss sich an den Hügelfuß eine fast quadratische Steinsetzung, der „Kosbacher Altar“, an. Ob bereits in der Urnenfelderzeit eine Grabanlage bestanden hatte, ließ sich nicht sicher nachweisen. Um die Ergebnisse Herolds zu präzisieren, führten 1979 Martin Nadler, Brigitte Kaulich und Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen-Nürnberg 1979 Nachuntersuchungen durch.

 

1980 ermöglichte der Lions Club Erlangen die Rekonstruktion des Hügels und des Altars. Die Steinsetzung und der zentrale Stein wurden abgegossen und über die im Boden liegende originale Steinsetzung gestellt. Heute sieht man in Kosbach also eine originalgetreue Nachbildung des ursprünglichen Befunds.


Die Funde und eine umfangreiche Dokumentation zu der Ausgrabung befinden sich in der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg.


 

Grabhügel 9

Plan

Vor Beginn der Ausgrabungen 1913 hatte der Grabhügel noch eine Höhe von ca. 1,55 m und einen Durchmesser von rund 19 m. Sein Umriss war auffallend unregelmäßig. Der im Westen anschließende „Kosbacher Altar“ war von der abgeschwemmten Erde des Hügels überdeckt. Der Grabhügel war ursprünglich von einem Steinkreis eingefasst. Reste eines zweiten Steinkreises deuten darauf hin, dass er einmal erneuert worden ist.

 

Die zentrale Grabkammer aus der älteren (?) Hallstattzeit (Ha C) war bereits ausgeraubt. Sie ließ sich nur in Resten nachweisen. Mehrere Nachbestattungen erfolgten in der jüngeren Hallstattzeit (Ha D). Die entsprechenden Funde lagen vor allem im nördlichen Quadranten des Hügels überwiegend außerhalb der Steinkreise. An der Südseite des Hügels waren kleine Steinkisten angebaut, in denen Schüsseln und Töpfe mit kalzinierten Knochen standen.


 

Kosbacher Altar

zum Altar

Im Westen des Hügels wurde der sogenannte Kosbacher Altar freigelegt. Es handelt sich dabei um eine dicht gepackte, fast quadratische Steinsetzung von rund 2 x 2 m Kantenlänge. Die Ecken wurden durch vier höhere Steine markiert. In der Mitte stand ein 63 cm hoher Steinpfeiler. Dieser wurde als Phallus interpretiert und in die spätere Universitäts-Sammlung gebracht.

Bei seinen Ausgrabungen konnte Herold beobachten, dass die Altarfläche aus zwei Steinlagen bestand, die auf eine Erneuerung hindeuten könnten. Ein eiförmiger Topf unter der Steinsetzung belegt, dass er erst in der frühen Latènezeit (Lt A) errichtet worden ist und aus der Zeit der letzten Belegung des Grabhügels stammt.


 

Literatur

Herold, R. 1913: Beiträge zur Vorgeschichte Erlangens und seiner Umgebung: I. Funde und Grabungen vor August 1913; II. Die Grabung bei Kosbach im August 1913. Der Kosbacher Altar. Sitzungsberichte der Physikalisch-Medizinischen Sozietät in Erlangen Band 45, 1913, 55-92.

 

Nadler, M., Kaulich, B. 1980: Ein Grabhügel im Mönau-Forst bei Erlangen-Kosbach. In: Spindler, K. (Hrsg.) 1980: Vorzeit zwischen Main und Donau. Neue archäologische Forschungen und Funde aus Franken und Altbayern. Erlanger Forschungen Reihe A, Band 26, 1980, 173-205.


Diese Seiten wurden von der AG Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung im Wintersemester 2005/2006 unter der Leitung von Christian ZÜCHNER erarbeitet. Beteiligt waren: Alexander Aescht, Dorothea Bergermann, Carolin Czylok, Carolin Jauk, Monika Kuschel, Sabine Schaa, Jürgen Swirzina.

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