Die Abbildung zeigt die Überreste der Verarbeitung einer
Jurahornsteinknolle, die, nach den zahlreich erhaltenen Fossilresten,
in einer Riffschuttbank entstanden ist. Nur gelegentlich sind durch
den Spaltvorgang die Skulpturmerkmale von Fossilien hervorgetreten
(ein sehr kleines Gehäuse ist in der Mitte des zweiten Abschlags
zu erkennen), meistens sind die Überreste der Organismen
durchschlagen und nur an den dunklen, scharf begrenzten
Verfärbungen zu erkennen.
Alle Stücke dieser Hornsteinknolle - es sind insgesamt
dreißig - zeigen die gleiche hellgraue Farbe. Sie kann auf eine
stärkere Verwitterung zurückgeführt werden, die vor der
Verarbeitung bereits abgeschlossen war. Aufschlußreich ist der
Zustand der Cortexreste, der zwei unterschiedliche Ausprägungen
erkennen läßt. An dem Stück links ist eine
Cortexbildung erhalten, die als eine durch Verwitterung
überprägte ehemalige Ausfällungsgrenze angesprochen
werden kann. Sie zeigt auch die einer knollenförmigen
Kieselgel-Agglomeration entsprechende
Oberflächenwölbung. Die Verwitterung ist sekundär von
außen durch die Ausfällungsgrenzfläche eingedrungen
und hat zur Entstehung von Poren geführt. (Das an der daran
anschließenden Fläche erkennbare Mangan-Band ist in einer
in die Knolle führenden Kluft entstanden). Reste dieses
Cortexzustandes sind auch im proximalen Bereich des dritten
Stückes zu erkennen. Hier ist die Cortex durch Spaltflächen
weitgehend abgetragen - die charakteristischen Poren sind jedoch noch
vorhanden.
Eine zweite Ausprägung der Cortex ist an dem
Schlagflächenrest des zweiten Stückes (als Strichzeichnung
wiedergegeben) zu finden: Sie bildet eine vollständig planparallele
Fläche aus, die auf einen Scherbruch zurückgeführt
werden darf, der bereits in der Lagerstätte vor sich ging. Somit
kann der Zustand der Hornsteinknolle beim Beginn der Verarbeitung
genauer angesprochen werden: ein "alt fragmentiertes"
Knollenbruchstück, ausgewittert aus dem Muttergestein und unweit
des Entstehungsortes gefunden. Die ursprüngliche Größe
des Knollenfragmentes kann in etwa aus der Größe der
Abschläge bzw. deren Volumen abgeschätzt werden: Es sollte
einen Durchmesser von wenigstens 10 cm besessen haben. Aus der
Ausprägung und Zusammensetzung der Artefakte kann geschlossen
werden, daß die Knolle als bereits weitgehend vorgeformter Kern
an die Fundstelle gebracht worden ist.
Dem grobkörnigen und etwas splittrig brechenden Gestein
möchte man keine besonderen Verarbeitungsqualitäten
zusprechen. Der Verarbeiter machte jedoch das Beste daraus, in dem er
seine Methoden entsprechend anzupassen wußte. Das Ergebnis
seiner Bemühungen ist in Abschlägen zu erkennen, deren
Umriß von einem gerade in Richtung der Schlagachse verlaufenden,
dachförmigen Negativ bestimmt wurde. So sind auch
klingenförmige Abschläge entstanden.
Literatur:
Weißmüller, W.: Die Silexartefakte der Unteren Schichten
der Sesselfelsgrotte. Ein Beitrag zum Problem des
Moustérien. Quartär-Bibliothek 5. Bonn,
1995. (Vgl. Kat.Nr. 390).
© 1996 http://www.uf.uni-erlangen.de/weissmueller.html