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Laugerie-Haute,
Laugerie-Intermédiaire und die „Opferstätte“
Laugerie-Haute ist eine der bedeutendsten
jungpaläolithischen Fundstellen Frankreichs. Das Felsdach, der Abri liegt auf
dem rechten Ufer der Vézère, etwa 2 km flussaufwärts von Les Eyzies-de-Tayac in
der Dordogne. Der Abri ist etwa 180 m lang und rund 35 m tief. Durch ein
Gebäude wird er in zwei Hälften unterteilt: Laugerie-Haute Est und Ouest.
Erste Grabungen unternahm hier schon Edouard Lartet
1862. Ihm folgten zahlreiche unprofessionelle Schürfungen und Grabungen,
darunter durch Otto Hauser zwischen 1910 und 1914. Die ersten systematischen
und ausführlich veröffentlichten Untersuchungen führten Denis und Elie Peyrony
1921 bis 1935 durch. Ihre Ergebnisse ermöglichten die Schaffung eines sicheren
chronologischen Gerüstes der Entwicklung des Jungpaläolithikums. Besonders
wichtig war die Tatsache, dass hier das Gravettien, Solutréen und Magdalénien
in mehreren Kulturschichten übereinander lagen. Die Grabungen von François
Bordes und Philip E. L. Smith von 1957 bis 1959 und ab 1967 durch G. Guichard ermöglichten eine ungewöhnlich feine Unterteilung
der Kulturfolge vom Gravettien bis zum Magdalénien II und der klimatischen Veränderungen
in dieser Zeitspanne vor rund 25.000 bis 15.000 Jahren. Das Magdalénien III,
dem auch die Funde in der Erlanger Sammlung angehören, war durch die früheren
Grabungen weitgehend abgetragen worden. Das Magdalénien V, VI und Azilien
beschränkte sich auf kurze Aufenthalte in dem von gewaltigen Felsstürzen
zerstörten Abri.
Mit bewegten Worten schildert Otto Hauser 1917, wie
ihn ein schöner „Rundschaber“ auf die Spur eines einzigartigen Befundes
gebracht hat. Unter einem Felsblock entdeckte er eine Anhäufung
·
von Knochen und
Schädelfragmenten von Wildpferd, Rentier und Bison, Hornzapfen, Geweihschaufeln
und Geweihsprossen besonders vom Hirsch sowie Bruchstücken von Stoß- und
Backenzähnen des Mammut,
·
von schön bearbeiteten
Knocheninstrumenten, darunter Pfrieme, Nähnadeln, Glätter, reich verzierte und
durchlochte Knochenstäbe, die er als „Kommandostäbe“ eines Häuptlings oder
Priesters der Urzeit ansah, zwei Harpunen und zahlreiche Geschoss-Spitzen,
·
von Schmuck aus
Tierzähnen, durchbohrten Stein- und Knochenanhängern, Bergkristall- und
Ockerstücken,
·
von Werkzeugen aus
Feuerstein, aber keinen Abfall, der auf die Herstellung von Steingeräten, also
alltägliche Arbeiten, hätte schließen lassen .
Drei Ansichten der Opferstätte während der Ausgrabungen 1914
Nach und nach legte er einen 15 m langen und 8 m
breiten, ovalen Platz frei, der von großen Steinblöcken umstellt war. Ein Teil
davon trug schälchenartige Vertiefungen oder eingravierte Tierbilder, die zur
Mitte des Platzes ausgerichtet waren. Eine große Feuerstelle, die sorgfältig
aus Kieselsteinen errichtet war und in der noch Asche und Holzkohle lagen,
bildete das Zentrum dieser einzigartigen Anlage. Da es keine Küchenabfälle oder
Belege für profane Tätigkeiten gab, nahm Hauser an, es handle sich um einen
Kultplatz, um die Opferstätte eines „Priesters der Urwelt“. Bestärkt wurde er
in seiner Ansicht durch die Beobachtung, dass seine Stimme in fünffachem Echo
aus dem Tal der Vézère zurückgeworfen wurde.
Wo diese merkwürdige „Opferstätte“ eigentlich gelegen
hat, verrät er nicht. Es gibt keine genaue Beschreibung, keinen Plan und kein
Foto, dem man die damalige Situation entnehmen könnte. Peyrony stieß im Ostteil
von Laugerie-Haute auf einige der verzierten Steine, die Hauser bei seiner
Flucht 1914 zurückgelassen hatte. Aber auch in ihrem Grabungsbericht vermisst
man einen Plan oder genauere Angaben zu den Fundumständen. Aus vagen Hinweisen
kann man die Situation rekonstruieren.
Laugerie-Haute war um 1910 überall von Felsblöcken
übersäht, die am Ende des Magdalénien III vom Felsdach herabgebrochen waren.
Zwischen diesen Steinen gab es eine Art von Gasse, durch die man entlang der
Felswand von West nach Ost vordringen konnte. Am ihrem Ende lag hinter Felsen
versteckt die „Opferstätte“ Hausers, in der Nähe von Felsbildern und einer von
Felsblöcken umstellten Nische, in der Peyrony einen Kultplatz des Magdalénien
zu erkennen glaubte.
Die „Opferstätte“ lag also nach heutiger Terminologie
in Laugerie-Haute Est, auch wenn sie von Otto Hauser noch seiner
Laugerie-Intermédiaire zugerechnet wird. Die große, sorgfältig gebaute
Feuerstelle, die Einfassung des Areals mit verzierten Steinblöcken und die
ungewöhnlich reichen Funde sprechen in der Tat dafür, dass Otto Hauser auf
einen Ort von herausragender Bedeutung gestoßen ist. Ob es sich dabei wirklich
um einen 15.000 Jahre alten „Opferplatz“, die Wohnstätte eines "Urweltpriesters"
oder nur um eine besonders reiche Fundzone handelt, muss allerdings
unentschieden bleiben.
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