Gradiometerprospektion des römischen Donaulimes

Von Oktober 2016 bis März 2018 fand ein Kooperationsprojekt zwischen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen-Nürnberg statt, mit dem Ziel der Erforschung des römischen Donaulimes.

Studierende finden Römertürme – Geomagnetikkampagne März 2018 am Raetischen Limes in Bayern

Das vegetationslose Frühjahr ist die klassische Zeit für Prospektionen, und so folgte schon kurz nach Rückkehr des Osteuropa-Teams die nächste Feldmaßnahme des Erlanger UFG-Institutes: Das seit 2013 regelmäßig jedes Semester stattfindende, zweiwöchige Feldpraktikum zur grundlegenden Ausbildung in Vermessungstechnik und Nutzung des Gradiometers stand an.

Unter der Betreuung von von Dr. C. Mischka und S. Kadler prospektierte dabei ein Team aus fünf Studierenden insgesamt neun römische Fundstellen entlang der Linie des raetischen Limes zwischen Denkendorf im Osten und Ruffenhofen im Westen mit dem Gradiometer. Die Arbeiten am UNESCO-Weltkulturerbe erfolgten in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Dieses Mal galt es, vermutete Wachturmstandorte, die Limeslinie selbst sowie Römerstraßen zu verifizieren und die Lageinformationen zu präzisieren.

Das Praktikum stellte die Teilnehmer, für die es teilweise der erste Feldeinsatz war, vor einige Herausforderungen. So zwang schon direkt zu Beginn der erneute Wintereinbruch die Mannschaft zur Arbeit bei Schneesturm und im Tiefschnee. Und auch nach Einsetzen des Tauwetters erforderten die Flächen das volle Spektrum körperlichen Einsatzes, vom  ständigen Säubern verschlammter Räder bis hin zum Trageeinsatz des Gradiometers über grob gepflügte Felder. Immerhin boten die zahlreichen Wechsel der Fundplätze die Möglichkeit zur intensiven Auseinandersetzung mit den technischen Geräten. Teilweise drei Mal pro Tag musste das Gradiometer in unterschiedlichen Konfigurationen zusammen- und wieder auseinandergebaut, sowie die lokale DGPS-Basis aufgestellt und anschließend per SAPOS zentimetergenau eingemessen werden. Also Gelegenheit für alle Studierenden, hier eine gewisse Routine zu bekommen. Zusätzlich zum Magnetikeinsatz wurden die Teilnehmer des Praktikums zudem in die Benutzung eines Tachymeters eingeführt – hier galt es hauptsächlich, eigene lokale Koordinatensysteme zu errichten und anschließend Messflächen auszustecken.

Der Lohn der nicht unerheblichen Mühen bestand für die Studierenden nicht nur im Erfahrungsgewinn, sondern auch in dem Gefühl, durch eigene Arbeit tatsächlich neue Forschungsergebnisse zu produzieren. So wurden beispielsweise drei bisher nur vermutete Wachtürme lokalisiert und auch die Limeslinie als Graben- und Mauerbefund dingfest gemacht. Es zeigt sich so wieder einmal der Wert solcher Kombinationen von Lehrmaßnahme und Denkmalpflege, deren Fortsetzung auch für die Zukunft angestrebt wird, um am Erlanger UFG-Institut auch weiterhin eine der heutigen Zeit angemessenen praktische Ausbildung anbieten zu können.

 

Grundlagen

Seit spätestens den 1990’er Jahren ist es durch die Anwendung und Optimierung geophysikalischer Prospektionsmethoden auch in der archäologischen Feldforschung möglich, zerstörungsfrei und ohne kostenintensive Eingriffe in den Boden, Bodendenkmäler zu erforschen und somit die wissenschaftliche Forschung unter Berücksichtigung bodendenkmalpflegerischer Belange voranzutreiben.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Gradiometerprospektion als in Bezug auf die Größe der prospektierten Fläche bei weitem effektivsten und zudem witterungsunabhängigen Methode zu. Am Erlanger Institut gehören der Einsatz von Gradiometern sowie die praktische Ausbildung an allen hierfür nötigen technischen Geräten zum festen Bestandteil des Studienganges. Vom BLfD werden seit 2010 derartige praktische Ausbildungsmaßnahmen in Kooperation zunächst mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel, und seit 2013 mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU  finanziell und organisatorisch unterstützt. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Erforschung der Zivilsiedlungen am Obergermanisch-Rätischen Limes (ORL). Im Rahmen dieser Zusammenarbeit konnten zahlreiche neue Erkenntnisse über Siedlungsgrößen und -organisation, aber auch über die militärische Infrastruktur am ORL gewonnen werden.

Auf Basis dieser sehr erfolgreichen Zusammenarbeit sollen die Forschungen in den folgenden Jahren ausgebaut und auch der Donaulimes mit einbezogen werden.

Bedeutung des Forschungsprojektes

Das Projekt vereint aktuelle universitäre Forschung und Lehre in vorbildlicher Weise mit den Aufgaben einer modernen Denkmalpflege.

Im seinem Rahmen sollen die Ergebnisse der Auswertung der bereits vorliegenden archäologischen Quellen mit denen der geplanten geophysikalischen Prospektionen kombiniert werden. Dabei liefert Letztere flächige Informationen zu Struktur, Ausdehnung und Belegungsdichte einer Fundstelle, Erstere schafft eine historische Eindringtiefe, wie sie nur aus dem Fundmaterial und Ausgrabungen selbst gewonnen werden kann.

Diese Synthese verspricht völlig neue Erkenntnisse über die Gestalt und Entwicklung des Limes an der Donau, die weit über das hinaus gehen, was beide Methoden für sich alleine jemals liefern könnten. Die daraus generierten Daten ermöglichen es somit für die Forschung, neue Modelle über die Landschafts- und Umweltnutzung durch den Menschen aufzustellen, und im Rahmen eines „predictive modelling“ auch die Belange der Bodendenkmalpflege, insbesondere im Rahmen der geplanten Erweiterung des UNESCO-Weltkulturerbes „Grenzen des Römischen Reiches“ auf den Donaulimes besser wahrzunehmen.

Vorgehensweise

Die Lage der einzelnen Fundstellen am Limes und die Informationen zur Datierung sind beim BLfD bereits in einem geographischen Informationssystem (GIS) erfasst. Dieses ermöglicht eine erste kleintopographische Eingrenzung des Untersuchungsgebietes. Innerhalb dessen können dann im nächsten Schritt konsequent so viele Fundstellen wie möglich geomagnetisch untersucht werden.

Diese geomagnetischen Prospektionen erfolgen im Rahmen von praktischen Lehrveranstaltungen durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU. In deren Verlauf werden die Studenten an den Geräten und in der Interpretation der Messbilder ausgebildet. Erfahrungsgemäß entsprechen die in solchen Maßnahmen erarbeiteten Ergebnisse allen Ansprüchen an moderne geophysikalische Prospektionen in der Archäologie und sind für die Verwendung im Rahmen der oben aufgeführten Fragestellung optimal geeignet. Die Fundstellen sind nach einer solchen Maßnahme nicht nur zu lokalisieren, sondern in ihrer räumlichen Ausdehnung und Erhaltung sehr genau zu bestimmen Die Messbilder werden noch während der Lehrveranstaltung ebenfalls in das GIS integriert und zusammen mit den erarbeiteten Befundinterpretationen möglichst schnell beiden Projektpartnern zugänglich gemacht. Einzelne, besondere Fundstellen können zudem im Rahmen von Abschlussarbeiten durch Studenten bearbeitet werden.

Der letzte Schritt besteht dann darin, anhand der gewonnenen Daten das Modell der Befestigungen, vor allem aber der Besiedlung am Donaulimes herauszuarbeiten und dieses mit den bekannten Vergleichsregionen in Beziehung zu setzen.

Ziel

Ziel des Projektes ist es Ausdehnung, Lage und Struktur der Bodendenkmäler im Gelände zu erforschen. Die dabei gesammelten Daten dienen der Einschätzung des Gefährdungspotentials durch Baumaßnahmen, auch bei ähnlich gelagerten Denkmälern. Wissenschaftlich ist ein zentrales Ziel des Projektes die Erforschung der Besiedlung am Donaulimes.  Die Zusammenarbeit zwischen dem Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Erlangen ermöglicht zudem die praktische Ausbildung der Studierenden im Kontext aktueller Belange der praktischen Bodendenkmalpflege. Dies ist im Hinblick auf das spätere Berufsfeld der Studierenden sehr zu begrüßen. Ein intensivierter und optimierter Kontakt stellt für beide Projektpartner eine Bereicherung dar.