Diachrone Landschaftsarchäologie im Spätneolithikum und in der Kupferzeit in der Moldau (Moldova), Rumänien

Prof. Dr. Doris Mischka, Dr. Carsten Mischka, Prof. Dr. Gheroghe Lazarovici, Dr. Magda Lazarovici, Prof. Dr. Alexander Rubel

Seit 2014. Förderung 2016 durch die Gerda Henkel Stiftung; Förderung durch BAYHOST – Mobilitätsbeihilfe (Tagung Suceava 2014) und Bayerische Forschungsallianz (Prospektion Frühjahr 2015)

Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie Iaşi, der Universität Alba Iulia, dem Complexul Muzeal Judeţean Neamţ, dem Muzeul Iulian Antonescu in Bacău sowie der Universität Suceava. Gefördert und dadurch überhaupt erst ermöglicht wird das Projekt durch die Gerda-Henkel-Stiftung.

Bisherige Aktivitäten:

Frühjahr 2015: Gradiometerprospektion in den Kreisen Iaşi, Bacău, Cluj, Tulcea und Neamţ.
Erste Testkampagne.

Sommer 2016: Beginn der Ausgrabungen in Scânteia; Gradiometerprospektionen in den Kreisen Alba, Bacău, Neamţ, Suceava und Vaslui; Drohnenbefliegungen in den Kreisen Iaşi, Bacău und Neamţ.
Neben der Ausgrabung Geländemodellierungen der Fundplätze aus dem Frühjahr 2015 und Intensivierung der Magnetik im Kreis Neamţ. Erste Testmessung im römischen Kastell von Razboieni-Cetate (Alba).

Frühjahr 2017: Gradiometerprospektion in den Kreisen Alba, Neamţ, Iaşi, und Botoşani.
Großflächige Prospektion von Razboieni-Cetate (Ausgegliedert als eigenes Projekt), Beginn der planmäßigen Aufnahme der Neamţ-Senke, erste Testmessungen am Pruth.

Sommer 2017: Weiterführung der Grabung in Scânteia; Geomagnetische Prospektion in Tibana (Iaşi) und Parhauti (Suceava).

Frühjahr 2018: Gradiometerprospektion in den Kreisen Alba, Neamţ und Botoşani sowie in der Westukraine.
Fertigstellung der Magnetik in Razboieni-Cetate; Weiterführung der Aufnahme der Neamţ-Senke; Erweiterung der Gradiometerprospektionen am Pruth; Erste testmessungen in Galizien (Westukraine).

Frühjahr 2015:

Bericht über Prospektionskampagne 22. Februar bis 24.März 2015

von Carsten Mischka

Rückkehr nach erfolgreicher Rumänien-Kampagne
Der Vorbereitung neuer Ausgrabungs- und Forschungsprojekte in Rumänien diente die mehr als vierwöchige Prospektionskampagne eines Teams des Institutes für Ur- und Frühgeschichte in diesem Februar und März. Dr. Carsten Mischka und die Studenten Imren Tasimova, Merlin Hattermann und Andreas Niessner konnten im Laufe dieser Reise mit dem institutseigenen Gradiometer erfolgreich Begehungen auf neun Fundplätzen in der Moldau, der Dobrudscha sowie in Transsylvanien durchführen. Dies geschah in Kooperation mit Kollegen des Instituts für Archäologie Iași sowie des Historischen und Archäologischen Museums Piatra Neamț, des Iulian Antonescu-Museums in Bacău, des Institutes für Archäologie der Universität „1. Dezember“ in Alba Iulia sowie des Transsilvanischen Nationalmuseums für Geschichte in Cluj.

Schwerpunkt der Untersuchungen waren Fundplätze der kupferzeitlichen Cucuteni-Kultur (ca. 4600-3600 v. Chr.) in der Moldau, dabei insbesondere des Fundplatzes Scânteia (Kr. Iași), an dem eine mehrere Hektar große Siedlung mit vierfachem Grabensystem und mehreren Dutzend Hausbefunden geomagnetisch prospektiert werden konnte. Weitere Begehungen von kleineren, teilweise eng benachbarter Fundplätze in den Kreisen Piatra Neamț und Bacău dienten der Erforschung des Siedlungsmusters der Cucuteni-Kultur.

Selbstverständlich beschränkten sich die Arbeiten aber nicht nur auf eine Zeitepoche, und so folgten Prospektionen der frühkaiserzeitlich bis spätantiken Stadtanlage von (L)ibida bei Slava Rusă (Kr. Tulcea) in der Dobrudscha sowie des römischen Kastells von Resculum/Bologa (Kr. Cluj) sowie der neolithischen Siedlung von Lumea Noua (Kr. Alba Iulia) in Transsylvanien.

Obwohl Witterung und Untergrund die Arbeit teilweise stark erschwerten, konnte das Team auf nahezu allen Fundplätzen wertvolle, neue Ergebnisse über die Ausdehnung und Struktur der Fundplätze gewinnen. Ebenso wichtig war die Möglichkeit, zahlreiche Kollegen vor Ort persönlich kennen zu lernen und die Möglichkeit zukünftiger gemeinsamer Projekte zu besprechen. Die Studierenden schließlich erhielten auf der Reise die Möglichkeit, ihr in den Feldpraktika des Institutes erlerntes Können bei einem Forschungsprojekt im Ausland zur Anwendung zu bringen, eine Möglichkeit, die im Falle der Realisierung der als nächstes geplanten Ausgrabungen und intensivierten Prospektionen in Rumänien noch weitaus mehr Studierenden geboten werden soll.

Seit 2014, Förderung durch BAYHOST – Mobilitätsbeihilfe (Tagung Suceava 2014) und Bayerische Forschungsallianz (Prospektion Frühjahr 2015)

Sommer 2016:

Grabung Scânteia 2016

Überlagernde Häuser
In Scânteia (Kreis Iaşi) wurde in Zusammenarbeit mit Dr. C.-M. Lazarovici (Institut für Archäologie Iaşi) sowie Prof. Dr. G. Lazarovici mit Haus 14 ein ungewöhnlich gut erhaltener Befund eines verbrannten Hauses aus der Cucuteni-A3-Phase ergraben. Zunächst wurde die Rotlehmpackung komplett freipräpariert, wobei sich herausstellte, dass Haus 14 am östlichen Schnittrand ein weiteres Haus, Nr. 15 überlagert. Aufgrund der mit 60-80cm sehr mächtigen Sedimentauflage war dies anhand der 2015 gemachten Geomagnetik nicht ohne weiteres erkennbar. Die auf Basis des Magnetogramms bisher angenommene Anzahl von 40 Hausbefunden in Scânteia stellt damit wohl nur eine absolute Untergrenze der tatsächlich im Boden befindlichen Bauten dar.

Wände, Fußböden und Pfostenspuren
Nach der Freilegung der Rotlehmpackung wurden in einem Viertel des Hauses 14 zunächst die zur verstürzten Wand gehörenden Bruchstücke abgenommen und in ihrer ursprünglichen Lage entsprechend wieder nebeneinander angeordnet. So ergibt sich ein detailliertes Bild des Wandaufbaus.

Analog wurde nach Einzeleinmessung aller auf ihm befindlicher Fundstücke der Fußboden entnommen und wieder „zusammengepuzzelt“. Die Dokumentation erfolgte dabei sowohl zeichnerisch als auch mitels dreidimensionaler Modellerstellung per SFM. Das Ergebnis zeigt eine von der in der Cucuteni-Zeit in der Moldau eigentlich üblichen Bautechnk abweichende Konstruktion des Bodens.  Diese für Fußböden ungewöhnliche Technik, sowie die unter dem Boden liegenden, nur schwach verziegelten Feuerstellen und Reste großer Gefäße weisen unter Umständen auf darauf hin, dass hier nicht der Fußboden des Erdgeschosses, sondern möglicherweise der Boden eines Zwischengeschosses vorliegt. Hier kann allerdings nur die Ausgrabung auch der übrigen Teile des Hauses Klarheit schaffen.

Unter der Rotlehmpackung wurden schließlich die Überreste mutmaßlicher Pfostenspuren aufgedeckt, die Hinweise auf die tragende Konstruktion des Gebäudes geben können.

Tausende von Funden
Entsprechend dem aus Cucuteni-Siedlungen bekanntem Muster erbrachte auch Haus 14 Funde in einer Menge und Qualität, wie sie auf neolithischen Grabungen in Deutschland kaum vorstellbar sind. Mehrere Tausend häufig mehr als handtellergroße Scherben hartgebrannter, polychrom bemalter Keramik zeugen vom enormen Formenschatz der Cucuteni-Keramik. Allerdings mussten die Scherben aufgrund der anhaftenden Kalkablagerungen zunächst einer intensiven Behandlung mit Zitronensäure unterzogen werden, um die Bemalung wieder erkennbar zu machen. Teilweise waren vier bis fünf Leute allein für dieses Prozedere im Innendienst gebunden.

Außer der Gefäßkeramik wurden noch einige anthropomorphe Figurinen von bis zu 25cm Größe sowie auch ein zoomorphes Idol gefunden. Zahlreiche Mahl- und Schleifsteine aus Felsgestein sowie einige wenige Silex- und Kupferartefakte vervollständigen das Fundensemble.

Die Funde selbst wurden teilweise direkt nach der Reinigung statistisch erfasst. Besondere Funde – Gefäße, Statuetten aber auch besonders aussagekräftige Bauelemente aus Rotlehm wurden dann noch in Scânteia von N. Bößl gezeichnet und mittels SFM in 3D-Modelle überführt.


Geomagnetik 2016

Parallel zu den Grabungsarbeiten wurden an sieben verschiedenen Fundorten Prospektionen mit dem Gradiometer durchgeführt. Mehrere archäologische Epochen konnten abgedeckt werden.

In Războieni-Cetate (Kreis Alba) wurden Testflächen im Bereich der Zivilsiedlung (vicus) des dortigen römischen Kastells begangen. Der Fundplatz in Siebenbürgen, dessen Untersuchung gemeinsam mit der Universität Alba Iulia erfolgte, passt sich somit in die lange Reihe der Forschungen unseres Institutes Welterbe Limes ein. Obwohl es sich hier eher um eine „Machbarkeitsstudie“ handelte und der Stand der Ernte nur kleine Prospektionsflächen zuließ, zeigen die Funde von Kellern und Gruben sowie eines mehrräumigen Steinbaus das Potential des Fundplatzes auf. Wenn irgend möglich, soll die Vervollständigung des Magnetogramms erfolgen, bei über 45 Hektar Fläche eine Aufgabe für zahlreiche Geländepraktika in den nächsten Jahren!

In eine ähnliche Zeitstellung fällt der Fundplatz Pâncești (Keis Bacău). Zusammen mit Kollegen des Institut für Archäologie Iaşi sowie in Kooperation mit dem  Muzeul Iulian Antonescu in Bacău, mit dem wir schon 2015 im Rahmen der Prospektion Cucuteni-zeitlicher Fundorte zusammenarbeiten, wurde hier die Außensiedlung  der bedeutenden geto-dakischen Höhenbefestigung Răcătău prospektiert. Diese liegt auf einer Lößterrasse unmittelbar oberhalb des Lacul Berești, eines Stausees am Siret und ist in den nicht mit Wald bestandenen Arealen nahezu vollständig ausgegraben. Die Außensiedlung ist hingegen bislang weitgehend unerforscht. Während der Prospektionsarbeiten konnte der Kollege Dr. S. Honcu zahlreiche Keramikfunde machen, darunter unter anderem auch Reste importierter Amphoren aus dem Schwarzmeergebiet.

Leider waren auch hier die begehbaren Flächen sehr klein. Grubenbefunde und ein mutmaßlicher Pfostenbau  zeigen aber, dass wir auch hierhin wohl noch einmal zurückkommen müssen, um erstmals vielleicht das Bild einer kompletten dakischen Siedlung zu bekommen.

In die Spätantike fällt die Nekropole der Santana-de-Mureş-Kultur von Strunga (Kreis Iaşi). Hier wurden bei der Anlage eines Weinberges Gräber aufgedeckt, und schon beim Weg zur Fläche stößt man auf teilweise freierodierte Schädelkalotten im Feldweg. Die flachen, kleinen Körpergräber dieser Epoche stellen aber für die Geomagnetik kaum geeignete Ziele dar, so dass es nicht überraschend ist, dass das Magnetogramm keine archäologisch zu deutenden Anomalien enthält.

Der jüngste untersuchte Fundort ist Sasova (Kreis Vaslui). Auf eine Anfrage des orthodoxen Priesters von Scânteia hin wurde hier der vermutete Standort einer katholischen Kirche aus dem Hochmittelalter überprüft. Dieser Bau steht im Zusammenhang mit der damaligen Ausweitung des Siedlungsgebietes der in Siebenbürgen angesiedelten deutschen Bevölkerungsgruppe in die Gebiete jenseits der Karpaten. Die örtlichen Bauern berichteten von großen Steinplatten, die sie gefunden hätten, so dass der Verdacht nahe lag, die um die Kirche herum angelegten Gräber würden angepflügt. Im Magnetogramm konnten schließlich die Fundamentreste eines ca. 13x6m großer Baus mit Apsis im Osten nachgewiesen werden, so dass die ehemalige katholische Kirche von Sasova nun mit großer Wahrscheinlichkeit als lokalisiert gelten kann.

Der Schwerpunkt der Geomagnetik lag selbstverständlich jedoch auf Siedlungen der Cucuteni-Periode.

Der Fundplatz Văleni – Cetăţuia (Kreis Neamt; Funde aus der Precucuteni-Phase sowie aus Cucuteni A und B)  liegt im Stadgebiet von Piatra-Neamţ und ist zum Teil durch – heute noch im Gelände sichtbare – Stellungen aus dem 2. Weltkrieg überprägt. Zwischen diesen konnten auf kaum einem Hektar Begehungsfläche aber trotzdem noch die Spuren von mindestens 13 verbrannten Häusern und zahlreichen großen Grubenbefunden festgestellt werden. Untypisch für Cucuteni-Fundplätze ist das fehlende Grabensystem, was allerdings auf die Sonderlage von Valeni auf einer ehemaligen Insel in der Bistritz zurückzuführen sein könnte.

Der zweite Fundplatz der 2016 im Zuge der Kooperatiosvereinbarung unseres Institutes mit dem Complexul Muzeal Judeţean Neamţ untersucht wurde, ist Ghelăieşti – Dealul Nedeea (Cucuteni A-B und B). Untypisch für die ansonsten relativ kleinen Fundplätze in den Subkarpaten handelt es sich hier um eine fast 7 Hektar große Siedlung. Das durch Ausgrabungen nahezu vollständig untersuchte allerdings weitgehend unpublizierte Zentrum des Fundplatzes ragt auf einer Halbinsel in einen Stausee hinein. Wesentlich interessanter ist jedoch der Teil des Siedlung, der sich in die benachbarte Hochfläche hinein ausdehnt: Mindestens zwei konzentrische Grabensysteme fassen eine Siedlung ein, in der die Häuser in Reihen nebeneinander stehen. Diese Reihen greifen in radialen Strahlen vom Zentrum auf der Halbinsel in die Ebene aus. Diese Anordnung entspricht den (allerdings deutlich größeren) Siedlungen der Tripolje-Kultur in der Republik Moldau und der Ukraine, ist aber auch mit etwas früheren Fundplätzen in Siebenbürgen zu vergleichen. Ghelăieşti könnte somit ein Bindeglied zwischen diesen beiden durch die Karpaten getrennten Regionen darstellen.

Den Abschluss der Prospekionsarbeiten stellt die Begehung des Fundplatzes Părhăuţi-Muncel (Kreis Suceava) in der Bucovina dar. Die Funde streuen hier auf einem Höhenrücken über mehr als 10 Hektar Fläche. Nähere Untersuchungen fanden bislang allerdings noch nicht statt. Die Studenten B. Praschl und F. Gapp prospektierten zusammen mit Dr. S. Ignatescu von der Universität Suceava einige Suchstreifen auf dem Hügel, um Informationen über die Ausdehnung der Siedlung sowie die Befunderhaltung zu erhalten. Dabei gelang es ihnen, nicht nur mindestens 41 teilweise sich überlagernde Hausbefunde, sondern auch ein Grabensystem zu lokalisieren, dass den Sporn des Hügels von der angrenzenden Hochfläche abtrennt.


UAV-Befliegungen 2016

Die Rumänien-Kampagne 2016 war die erste, während der das UAV („Drohne“) des Institutes intensiv zum Einsatz kam. Neben der teilweise täglichen Erstellung von Orthophotos und zentimetergenauen 3D-Modellen der Grabungsfläche lag die Hauptaufgabe in der Erstellung großflächiger digitaler Höhenmodelle (DGM) sowie Orthophotos ganzer Fundplätze. Diese Technik wurde in Scânteia, Ghelăieşti, Văleni, Izvoare, Raucesti, Poduri und Părhăuţi angewandt, wobei die Modelle dabei bei Auflösungen von 5-6cm (DGM) bzw. 1-2cm (Photo) teilweise über 10 Hektar groß sind.

Da bereits im Vorfeld der Grabung Erfahrungswerte zur möglichst effektiven Befliegung gesammelt und Studierende in der Bedienung des UAV ausgebildet wurden, konnten diese Aufgaben im Wechsel von den verschiedenen Personen sehr effektiv durchgeführt werden. Beispielsweise konnten die Modelle von Izvoare und Văleni in jeweils 40 Minuten erstellt werden, während die komplette Erfassung der Grabungsschnittes in Scânteia kaum 15 Minuten erforderte. Das Datenprocessing mit Hilfe von der Agisoft-Photoscan-Software zur 3D-Modellierung sowie der Integration im QGIS-System ist dabei normalerweise in ca. einer Stunde abgeschlossen.

Damit ist klar geworden, dass der Einsatz von Drohnen in der Feldarchäologie nicht mehr auf Spezialisten beschränkt sein muss und immer schneller zu einem völlig normalen Werkzeug der Archäologie wird. Es ist daher geplant, die halbjährlichen Prospektions- und Vermessungsübungen um diesen Ausbildungsgang zu erweitern.

In Rumänien dürfen Denkmäler inklusive ihrer Schutzzone von 500 m Radius nicht einfach aus der Luft fotografiert werden. Seit Sommer 2016 ist unser UAV das erste dieser Art, was für archäologische und für wissenschaftliche Zwecke registriert ist und damit haben wir die erste Drohne mit der legal Aufnahmen von Denkmälern aus der Luft gemacht werden dürfen!

Die  kostenpflichtige Genehmigung erteilt das Ministerul Transporturilor Civil Aviation in Bukarest. In die Drohne wird ein Chip mit Erkennungsnummer geklebt. Außerdem erhält sie ein „Luftfahrtkennzeichen“, das durch einen Aufkleber von außen gut lesbar ist.

UAV mit rumänischem "Luftfahrtkennzeichen".

UAV mit rumänischem „Luftfahrtkennzeichen“.

Offizieler Betreiber ist unser Kooperationspartner, das internationale Cucuteni-Museum (www.muzeu-neamt.ro), da Ausländer die Genehmigung nicht erhalten.

Merken

Fazit

Der in Scânteia angeschnittene Hausbefund mit seiner sehr guten Erhaltung birgt noch großes Potential für weitere Studien zur Bautechnik und Raumaufteilung Cucuteni-zeitlicher Häuser. Ebenso konnten aber auch wichtige Erfahrungswerte zur Ausgrabung solcher Befunde, insbesondere zur Kombination der jahrzehntelangen Erfahrung der rumänischen Kollegen mit dem Einsatz modernster Dokumentationsmethoden gewonnen werden.

Für die geplante Fortführung der Arbeiten sowie einer möglichen Verlagerung/Ausweitung der Erforschung Scânteias auf Testschnitte in möglichst vielen weiteren Hausbefunden stellen dies Erfahrungen von unschätzbarem Wert dar.

Die teilweise überraschenden Ergebnisse der Geomagnetik zeigen die Vielfalt des Siedlungswesens zur Cucuteni-Zeit, aber auch die Notwendigkeit, möglichst viele Siedlungen einer Region zu untersuchen, um eben diese Vielfalt erfassen, begreifen und vielleicht eine Ordnung in ihr herausarbeiten zu können. Aber auch die nicht-neolithischen Fundplätze zeigen wieder einmal den wissenschaftlichen Wert der gephysikalischen Methoden und ermöglichen die Fortsetzung der Ausbildung unserer Studenten hin zur eigenständigen Durchführung solcher Maßnahmen.

Danksagung
Das Projekt konnte nur erfolgreich durchgeführt werden mit Hilfe unseres Ausgrabungsteams:
J. Beck, D. und N. Bößl, C. Drummer B.A., F. Gapp, M. Gildehaus, S. Glörfeld, M. Kuschel, N. Langer, B. Praschl, J. Rütten, G. Schafferer M.A., M. Scheller und F. Wanka.

Außerdem danken wir unseren rumänischen Kollegen vor Ort für ihre Hilfe und Unterstützung in praktischen wie auch administrativen Dingen: Dr. M. Lazarovici und Prof. Dr. G. Lazarovici, sowie Dr. A. Bersovean, Dr. S. Honcu, A. Huşleag, Dr. S. Ignătescu, Dr. D. Munteanu, Dr. C. Preoteasa, Prof. Dr. A. Rubel, Dr. A. Theodor, L. Teodor, Dr. S. Ţurcanu und Dr. R. Vaga.

 

Frühjahr 2017:

Prospektionsteam nach erfolgreicher Kampagne zurück aus Rumänien

von Carsten Mischka

Nach vier Wochen Feldarbeit im März ist das Team der diesjährigen Rumänien-Frühjahrskampagne wieder nach Erlangen zurückgekehrt. Während dieses Praktikums führten die Studenten F. Gapp, B. Praschl, M. Schaffer B.A. und F. Wanka unter der Leitung von Dr. C. Mischka geomagnetische Prospektionen sowie Drohnenbefliegungen zur Geländemodellerstellung an insgesamt 12 Fundplätzen durch.

 

Römisches Lager und neolithische Häuser in Transsilvanien

Das Erste Ziel war Războieni-Cetate im Kreis Alba (Transsilvanien), dem ehemaligen Standort der dort inschriftlich belegten Ala I batavorum. Nahezu der gesamte römische Fundplatz ist heute noch unüberbaut und so konnte fast das gesamte Kastell sowie ein Großteil der zugehörigen Zivilsiedlung (vicus) untersucht werden. Dabei bewährte sich ins besonders die neu angeschaffte, mit Mitteln des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg finanzierte DGPS-Kopplung des Magnetikgerätes. Diese ermöglicht u.a. eine Steigerung der täglichen Flächenleistung um bis zu 20%.  Die daher über 24 Hektar große Messfläche liefert umfassende Informationen über die Lagerumwehrung und ‑innenbebauung, beispielsweise die principia und Reiterbaracken sowie den Aufbau des vicus und einen Teil des ländlichen Umfeldes.

Ebenfalls im Kreis Alba wurde die bereits 2015 begonnene Prospektion des neolithischen Fundplatzes „Lumea Noua“ im Stadgebiet von Alba Iulia fortgesetzt. Dabei konnten erstmals an diesem Platz Spuren verbrannter Hausgrundrisse sowie eines den Fundplatz begrenzenden Grabensystems festgestellt werden.

Cucuteni und Precucuteni in der Moldau

Nach der Überquerung der Karpaten wurden die seit 2015 laufenden Arbeiten zur Precucuteni- und Cucuteni-Kultur in der Moldau fortgesetzt. Ziel der Aktivitäten ist die Untersuchung des Siedlungswesens dieser Zeit in einem Transsekt von den Subkarpaten bis hin in die moldawische Ebene.

Erster Teil dieses Vorhabens ist die möglichst vollständige diachrone Aufnahme der neolithischen und kupferzeitlichen Fundplätze in der Neamț-Senke im nördlichen Kreis Neamț. Dafür wurden dort dieses Frühjahr die vier Precucuteni-Fundplätze Tolici, Săcălușești, Topolița „La Ilioi“ und Topolița „Nordwest“ prospektiert. Die Ergebnisse zeigen die für diese Region typischen, nur selten über ein bis zwei Hektar großen, teilweise von Grabenwerken eingefassten Siedlungen. Die Anzahl der Hausbefunde reicht dabei von einigen wenigen bis zu über 30 Stück. Zusätzlich wurde noch der forschungsgeschichtlich wichtige Fundplatz Traian „Dealul Viei“ in der Nähe von Piatra Neamț selbst begangen.

Den zweiten Teil der Arbeiten am Transsekt Karpaten-Moldau bildete die Intensivierung der ebenfalls seit 2015 laufenden Arbeiten im Kreis Iași. Dort konnte die im letzten Jahr durch unsere rumänischen Kooperationspartner neu entdeckte Siedlung Dobrovăț begangen werden. Zwar liegt der Platz zum größten Teil in einem Wald, allerdings konnten trotzdem noch einige linear angeordnete Häuser am Waldrand nachgewiesen werden. Dobrovăț fällt in die Cucuteni A3-Periode und ist damit zeitglich zum nur wenige Kilometer entfernten Fundplatz Scânteia, dessen Ausgrabung durch unser Institut in diesem Sommer weitergeführt werden soll.

Neu hinzugekommen ist die Kooperation mit dem Museum im Kreis Botoșani. Am Ufer des Grenzflusses Prut wurden die beiden Fundplätze Mitoc „Valealui Stan“ und „Pârâul lui Istrate“ untersucht. Dabei ist letzterer von besonderem Interesse, da er chronologisch unmittelbar am Übergang von der Precucuteni- zur Cucuteni-Kultur liegt. Auf ca. fünf Hektar Siedlungsfläche konnten hier über 80 Hausgrundrisse sowie ein Grabenwerk festgestellt werden.

Mittelalterlicher Exkurs – Die Festungen von Ştefan cel Mare

Neben den Arbeiten zum Neolithikum wurden die Aufgaben des Teams in der Moldau noch durch die Prospektion der Festung in Gâdinți aus dem späten 15. Jhd. ergänzt. Nahe der Stadt Roman befand sich dort ehemals die größte Festung des moldawischen Fürsten Ştefan cel Mare. Ebenfalls in diese Zeit fällt die mittlerweile restaurierte Festung „Cetatea Neamț“ in Târgu Neamț. Dort führten B. Praschl und F. Wanka Befliegungen mit dem UAV durch, um per Structure-from-Motion ein dreidimensionales Modell dieser beeindruckenden Anlage zu erstellen.

Weitere Schritte

Die Reise war somit nicht nur wissenschaftlich ein voller Erfolg. Durch die Arbeit vor Ort und den Kontakt mit den rumänischen Kollegen boten sich den Teilnehmern zudem eine intensive Ausbildung an den technischen Geräten des UFG-Institutes, sowie ein tiefer Einblick in die osteuropäische Archäologie. Weitere Maßnahmen sind bereits geplant, um die Zusammenarbeit mit den rumänischen Kollegen weiter zu intensivieren und noch mehr Studenten die Gelegenheit zu bieten, an den Auslandsprojekten des Institutes teilzunehmen. So steht für den Sommer die nächste Ausgrabungskampagne in Scânteia an, und auch die geomagnetischen Prospektionen werden parallel dazu weitergeführt werden.

Kooperationspartner

Die Kooperationspartner vor Ort waren das Archäologische Institut der Rumänischen Akadamie der Wissenschaften, Außenstelle Iasi (Prof. A. Rubel, Dr. M. Lazarovici, Dr. A. Bersovean), Dr. Rada Varga (Babes-Bolyai Universität Cluj), das archäologische Institut der Universität „1. Dezember“ in Alba Iulia (Prof. M. Gligor), der Complexul Muzeal Județean Neamț mit dem Cucuteni-Museum (Dr. C. Preoteasa) und dem Museum für Geschichte und Ethnographie Târgu Neamț (Dr. V. Diaconu) und das Muzeul Județean Botoşani (Dr. A. Kovacs).

Sommer 2017:

Der Ausgrabungsschnitt auf dem Dealul (Hügel) Bodesti von der Drohne aus gesehen. Im Hintergrund das Dorf Scanteia

Ausgrabungskampagne in Scanteia 2017

von Carsten Mischka

Zum zweiten Mal nach 2016 startete auch dieses Jahr eine Ausgrabungskampagne in Scânteia (Kr. Iasi, Rumänien). Die Maßnahme, an der 15 Studierende, Angestellte und Dozenten der FAU, verstärkt durch zwei Studentinnen der Universitäten Münster und Wien teilnehmen,  steht unter der Leitung von Prof. Dr. D. Mischka in Kooperation mit Prof. Dr. M. Lazarovici. Scanteia liegt im äußersten Osten Rumäniens, nur 30 Kilometer von der Außengrenze der EU entfernt und schon 2015 prospektierte hier ein Team der UFG die dortige Siedlung der Cucuteni-A3-Periode (ca. 4200 v. Chr.), im Sommer 2016 startete die Ausgrabung in Kooperation mit dem Archäologischen Institut der rumänischen Akademie, Außenstelle Iasi. Diese konzentrierte sich auf einen verbrannten Hausbefund, der im letzten Jahr allerdings nicht vollständig ausgraben werden konnte.

Fortführung der Arbeiten am Hausbefund

Zu Beginn der aktuellen Kampagne wurde zunächst der teilweise verfüllte Schnitt wieder freigelegt und der Arbeitsstand des letzten Jahres wieder hergestellt. Anschließend nahm Prof. Dr. G. Lazarovici den Abbau der Rotlehmpackung wieder auf, wobei auch Erlanger Studenten in diese in Mitteleuropa relativ unbekannte Technik eingewiesen werden. Dabei werden die Fragmente des verbrannten Hauses wieder „zusammengepuzzelt“ und per SFM in dreidimensionale Modelle überführt. Mittlerweile ist ein Großteil des Hauses abgetragen und die Hinweise auf eine mehrstöckige Konstruktion, beispielsweise Öfen und große Vorratsgefäße unter einer Bodenkonstruktion mehren sich.

Ein Rinderschädel und Tausende von Scherben

Im Osten des Hauses wurde der Schnitt erweitert, um zu klären, ob es sich bei den im letzten Jahr dort am Schnittrand aufgefundenen Befund tatsächlich um ein weiteres, stratigraphisch überlagertes Haus handelt. Dabei kam aber zunächst kein Hausbefund zutage, sondern eine über ca. 60m² ausgedehnte Packung hauptsächlich aus Keramikscherben und Mahlsteinresten. Die Schicht ist teilweise 30cm mächtig, zudem deuten sich beim derzeitigen Arbeitsstand mindestens zwei tiefe Gruben unter ihr an. Neben mehreren Tausend größtenteils bemalten Keramikscherben fanden sich in dieser momentan als Abfallzone zu deutenden Schicht auch zahlreiche anthropomorphe und zoomorphe Statuetten sowie ein vollständiger Rinderschädel mit Hörnern. Erst gestern wurden dann auch Hinweise auf Keramikbrennöfen gefunden – mehrere große Fragmente von Lochtennen, die zu mindestens zwei Öfen gehören, wurden aus der Scherbenschicht geborgen.

hier geht es zum TV-Beitrag, Bereich ca. 33:40 bis 35:40 Minute

Geomagnetik einer Dakerfestung

Parallel zur Grabung prospektierte I. Tasimova B.A. gemeinsam mit dem rumänischen Kollegen Dr. A. Bersovean (Arch. Institut, Akademie Iasi) die dakische (eisenzeitliche) Höhensiedlung von Tibana (Kr. Iasi), von der auch Cucuteni-Keramik bekannt ist, mit dem Gradiometer. Obwohl die zentralen Bereiche des Fundplatzes noch mit Mais bestanden waren, konnte mindestens zwei mutmaßliche Cucuteni-Hausbefunde sowie eine kreisförmige Struktur festgestellt werden, die entweder als Grabhügel, aufgrund des Kontextes jedoch wahrscheinlicher als dakische Kultanlage zu deuten sind. Ausgrabungen unter der Leitung von A. Bersovean sind noch für diesen September geplant und werden in diesem Punkt für Klarheit sorgen.

Frühjahr 2018:

Alle reden vom Wetter – WIR NICHT! Neuigkeiten aus Rumänien

Seit mittlerweile zwei Wochen läuft die diesjährige Frühjahrskampagne zur Prospektion in Rumänien. Vier Studierende der archäologischen Wissenschaften, vom Erstsemester bis zur Masterstudentin, führen im Laufe dieser Expedition unter Anleitung von Dr. C. Mischka geomagnetische Prospektionen an römischen und neolithischen Fundstellen in Rumänien durch.

Während der ersten Woche der Maßnahme wurde zunächst die 2016 begonnene Untersuchung des römischen Fundplatzes in Razboieni-Cetate, einem Reiterlager mit zugehöriger Zivilsiedlung (vicus) nahe Alba Iulia (Transsilvanien) zu einem vorläufigen Abschluss gebracht. Zwar zeigten sich die äußeren Bedingungen mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, sowie grob gepflügten Feldern und ungewöhnlich matschigen, exzeptionell haftfreudigen Boden von einer denkbar schlechten Seite, doch gelang es M. Schaffer B.A., I. Tasimova B.A., J.-C. Lau und M. Trodler, im Tragebetrieb und mit Hilfe zweier rumänischer Kollegen alle noch ausstehenden Flächen des Fundplatzes zu begehen. Die Belohnung für diese Mühen bestand in einem Magnetogramm, das unter anderem einen sich über einen halben Kilometer Länge erstreckenden vicus in Steinbauweise belegt, und das in der zukünftigen Forschung sicherlich mehr als nur einige Beachtung finden wird.

Die Überquerung der verschneiten Karpaten bot dann nicht nur pittoreske Ausblicke auf eine grandiose Landschaft, sondern auch einen Ausblick auf das Motto der nächsten Wochen der Maßnahme: Eis und Schnee!

Vom Quartier in Piatra-Neamţ aus arbeitete das Erlanger Team zusammen mit den Kollegen Dr. C. Preoteasa und Dr. V. Diaconu vom Complexul Muzeal Judeţean Neamţ an der Erforschung von insgesamt fünf Fundstellen der neolithischen/kupferzeitlichen Cucuteni-Kultur. Anstatt mit Matsch und Schlamm kämpften die Studierenden nun im Tiefschnee gegen den aus den weiten Ebenen Russlands und der Ukraine heran wehenden, eisigen Wind. Dafür konnten auf den bislang weitestgehend nur durch Oberflächenfunde bekannten Siedlungen zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden, so z.B. die drei Erdwerke von Ghindaoani und die zwei Siedlungskerne von Valea Seaca „Ferma de vac“, wo auch noch ein mutmaßlich bronzezeitlicher Tumulus entdeckt werden konnte.

Der Sonntag war für das Team ein mehr als wohlverdienter Ruhetag in Piatra Neamt, doch Montag geht es weiter, dem Winter entgegen: Nach einer Woche im Landkreis Botoşani am Prut, in den sanften Hügeln des Grenzlandes der EU zur Republik Moldau ist geplant, anderthalb Wochen lang Cucuteni-zeitliche Siedlungen in der ukrainischen Region Galizien zu erforschen, um einen Vergleichsdatensatz zu den in Rumänien gewonnenen Daten zu erarbeiten. Von Temperaturen über dem Gefrierpunkt werden die Gefährten auch dort nur träumen können, hoffentlich allerdings trotzdem neue Einblicke in bislang weitestgehend unbekannte Fundorte erarbeiten.

Piatra Neamt: Ausflug am freien Tag zur Skistation über der Stadt. Im Hintergrund das Tal der Bistrita und die Subkarpaten.

 

 

 

 

 

 

 

Update von der Osteuropa-Prospektion

Übersichtskarte mit den in der Kampagne bisher besuchten Fundplätzen (Stand vom 04.03.2018).

 

 

 

 

 

 

 

Die letzte Woche brachte einiges an neuen Eindrücken und Herausforderungen für das Prospektionsteam. Nach den beiden Wochen in Transsylvanien und den Subkarpaten wurde das Quartier in den Nordosten Rumäniens, nach Botoşani verlegt. Ein Besuch des dortigen Museums, insbesondere des Magazins und der Werkstätten, stimmte die Studierenden auf die Besonderheiten der Cucuteni-Keramik, aber auch des reichhaltigen Silexmaterials in diesem Gebiet ein.

Der Rest der Woche stand im Zeichen der Erforschung des aus alten Ausgrabungen bekannten Fundplatzes Draguşeni „Ostrov“, berühmt für zahlreiche anthropomorphe Keramikstatuetten sowie eine spezielle, ritzverzierte und bemalte Cucuteni A – Keramik. Mit einer Fläche von mehr als sieben Hektar sollte Draguşeni „Ostrov“ eigentlich ein idealer Platz sein, die innere räumliche Struktur einer Cucuteni A – Siedlung zu untersuchen. Allerdings wirkte sich die letzte, gesamteuropäische Kältewelle auch auf die lokalen Begehungsbedingungen aus: Temperaturen von bis zu -15°C, gepaart mit teilweise sehr starkem Wind zwang das Team zu extremen Anstrengungen.

Das Prospektionsergebnis – Ein doppeltes Grabenwerk, sowie zahlreiche, teilweise sehr große Hausbefunde – belohnte aber die Mühen. Auch eine geordnete geometrische Anordnung der Häuser scheint erkennbar. Dem Magnetikergebnis nach scheinen einige der Bauten, für die Cucuteni-Zeit eigentlich untypisch, unverbrannt zu sein. Fundamentgräben und mutmaßliche Pfostengruben lassen Rückschlüsse auf die innere Unterteilung der Gebäude zu.

Weniger erfolgreich war der Versuch, am Samstag die im letzten Jahr begonnene Prospektion in Mitoc „Paraul lui Istrate“ zu einem Ende zu bringen. Nachdem schließlich auch der Schneepflug, hinter dem das Team versuchte, durch einen Schneesturm hindurch die entlegen am Prut liegende Ortschaft zu erreichen, vor den teilweise meterhohen Schneeverwehungen kapitulieren und umkehren musste, war klar, dass dieses Projekt wohl doch auf den Sommer verschoben werden muss.

Nach einem Ruhetag in Botosani, inklusive eines Ausfluges zur nahegelegenen eisenzeitlichen Festung von Stancesti (5.-3. Jhd. v.Chr.) steht am Montag dann die letzte Etappe der Reise vor dem Rückweg nach Deutschland an: Nach einem Treffen mit Kollegen aus der Ukraine an der rumänisch-ukrainischen Grenze und einer hoffentlich reibungslosen Grenzquerung soll das Quartier nach Tscherniwzi verlegt werden. Von dort ist geplant, zunächst den Fundplatz Schypynzi zu untersuchen und darüber hinaus zu klären, ob sich diese Region zur Etablierung eines Vergleichsgebietes zur Neamţ-Senke bei Târgu Neamţ eignet. Das ab nächster Woche angesagte Tauwetter könnte diese Arbeiten allerdings zu einer äußerst schlammigen Angelegenheit machen…

Frühlingsanfang und Rückkehr mit Hindernissen – Das Osteuropa-Geomagnetik-Team ist zurück aus Rumänien und der Ukraine

Nach dem Abschluss der Arbeiten im Kreis Botoşani wurde das Quartier der Geomagnetik-Mannschaft nach Revakivtsi (nahe Tscherniwzi) in der Ukraine verlegt. Zusammen mit unserem Kooperationspartner vor Ort, Dr. Taras Traschuk wurden Flächen auf dem über 30 Hektar großen Fundplatz von Shypyntsi (dt.: Schipenitz) prospektiert. Dieser ist namensgebend für die Shypyntsi-Stufe der Trypilja-Kultur (Die Aufteilung in Cucuteni- und Trypilja-Kultur geht auf die politischen Grenzen der Neuzeit zurück).

Die Prospektion, bei der sich für das Plateau von Shypyntsi eine aufgelockerte Besiedlung mit mehreren Siedlungskernen abzuzeichnen scheint, musste allerdings abgebrochen werden, als plötzlich einsetzendes Tauwetter die ursprünglich noch halbmeterhohe Schneedecke innerhalb kürzester Zeit in eine durchgehende Fläche aus tiefgründigem Matsch verwandelte. Eine Rückkehr nach Shypyntsi ist aber fest geplant, nicht nur zur Fertigstellung der Prospektion, sondern auch zur Sondierung der zahlreichen, gleichzeitigen, im Umland gelegenen Fundstellen.

Den Abschluss der Reise bildete schließlich ein Motorschaden an unserem bis dahin so treuen Uni-Bus, der zur Reparatur in Budapest bleiben musste. Ein Mietwagen brachte das Team aber schließlich sicher nach Erlangen zurück, und auch der Bus konnte mittlerweile wieder – repariert – nach Erlangen zurückgebracht werden. In den kommenden Wochen heißt es nun, die gesammelten Daten auszuwerten und in den Kontext der bisherigen Projektergebnisse einzuordnen. Bereits jetzt steht jedoch fest, dass die Kampagne bedeutende Erkenntnisse zum Siedlungswesen der  Cucuteni-Trypilja-Kultur, aber auch zum Ausmaß der Entwicklung urbaner Infrastruktur in der römischen Provinz Dacia Superior erbracht hat.

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