HUGO OBERMAIER-GESELLSCHAFT

für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V.

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Letzte Änderung: 26. April 2010

Hugo Obermaier (1877 - 1946) und die Hugo Obermaier-Gesellschaft

Hugo-Obermaier

Hugo Ober­maier wurde an 29. Januar 1877 in Regens­burg als Sohn des Kgl. Schul­rates Anton Ober­maier geboren. Nach Schul­besuch und Studium in seiner Heimat­stadt erhielt er 1900 die Weihe zum welt­lichen Prie­ster. 1901-1904 studierte er in Wien bei Penck, Forster, Szom­bathy und Hoernes die Fächer Prä­histo­rische Archäo­logie, Physi­kalische Geogra­phie, Geo­logie, Palä­onto­logie, Ethno­logie, Deutsche Philo­logie und Mensch­liche Ana­tomie. 1904 wurde er mit einer Arbeit über "Die Ver­brei­tung des Menschen während des Eis­zeit­alters in Mittel­europa" promoviert. Nach seiner Habili­tation 1908 in Wien wurde er gegen den heftigen Wider­stand seines Lehrers Penck ebendort 1909 Privat­dozent. Während dieser ganzen Zeit unter­nahm er zahl­reiche Reisen in verschie­dene Länder Euro­pas, die ihm die Bekannt­schaft und oft lang­jährige Freund­schaft mit füh­renden Prä­histo­rikern seiner Zeit ein­brachten. 1911 wurde Ober­maier als Pro­fessor an das neu gegrün­dete Insti­tut de Paléonto­logie Humaine in Paris berufen. Der Aus­bruch des Ersten Welt­krieges über­raschte ihn in Spanien. Als Reichs­deutscher konnte er nicht mehr nach Frank­reich zurück­kehren. Ober­maier blieb in Spanien, wo er zunächst am Museo Nacional de Ciencias Naturales in Madrid arbeitete, bis er 1922 an die Univer­sidad Central von Madrid berufen wurde, der er bis zum Aus­bruch des Spanischen Bürger­krieges als außer­plan­mäßiger Pro­fessor ange­hörte. Einen ehren­vollen Ruf an die Uni­versität Berlin auf den vakanten Lehr­stuhl Max Eberts lehnte er 1933 nach langer und schwerer Ent­scheidung ab, da ihn die Über­siedlung nach Berlin allzu weit von seiner zweiten, der spanischen Heimat, deren Bürger er geworden war, und von seinem eigent­lichen Forschungs­gebiet getrennt hätte; weiterhin aber auch, weil er nach Aus­kunft seiner Nichte die national­sozia­listische Katas­trophe herauf­ziehen sah. 1936 über­raschte Ober­maier der Aus­bruch des Spa­nischen Bürger­krieges in Oslo, wo er sein Land offi­ziell auf dem Congrès Inter­national d'Archéo­logie Pré­historique et Proto­historique vertrat. Allen Bemüh­ungen seiner Freunde, insbe­sondere des Herzogs von Alba, zum Trotz, ihn wieder für Madrid zu gewinnen, entschloß sich Ober­maier 1939, eine Pro­fessur in Frei­burg in der Schweiz anzu­nehmen und nicht mehr nach Spanien zurück­zukehren. Die ange­griffene Gesund­heit, die unge­klärte Frage seiner Alters­versorgung in Spanien und die Tat­sache, daß sein Schüler Mar­tínez Santa Olalla öffent­lich den ange­stammten Lehr­stuhl für sich rekla­mierte und er nicht mit diesem in Kon­kurrenz treten wollte, bewegten ihn zu diesem Ent­schluß, den er schweren Herzens faßte. Am 12. Novem­ber 1946 verstarb Ober­maier nach langer, schwerer Krank­heit, versehen mit allen christ­lichen Sakra­menten, im Frei­burger Salesianum. Er wurde in Frei­burg mit allen Ehren be­stattet und ruhte dort in Frieden, bis die Behör­den unbe­merkt von allen Kollegen und unauf­findbar sein Grab auf­lösten. So erinnert allein eine Gedenk­tafel, die 1986 in seiner alten Hoch­schule anläßlich der 28. Jahres­tagung der Hugo Ober­maier-Gesell­schaft seinem Andenken gewidmet wurde, an diesen großen Gelehr­ten, der nir­gendwo eine end­gültige Bleibe gefunden hat.

Jahr­zehnte­lang wurde der Paläo­lith­for­schung in Deutsch­land im Ver­gleich zu nach­fol­gen­den Epochen eine gerin­gere Auf­merk­sam­keit zu­teil, ob­wohl von Männern wie J. Ranke, R. R. Schmidt, H. Ober­maier, G. Riek und anderen wichtige Impulse ausge­gangen waren. Um diesem außer­ordentlich wichtigen Abschnitt der Mensch­heits­geschichte ein geeig­netes Forum zu schaffen, rief Lothar F. Zotz anläßlich der Fest­woche des Kreises der Freunde der Univer­sität Regens­burg am 23. Juni 1951 an der Hoch­schule Regens­burg, aus der Hugo Ober­maier als gebür­tiger Regens­burger hervor­gegangen ist, die "Hugo Obermaier-Gesell­schaft für Erfor­schung des Eiszeit­alters und seiner Kulturen" ins Leben. "Neben der Pflege und För­derung der Wissen­schaft, der sich Hugo Ober­maier, der bedeu­tendste Alt­stein­zeit­for­scher Deutsch­lands und einer der führenden der Welt, ver­schrie­ben hatte, will die Gesell­schaft besonders die Beziehungen zu aus­ländischen Fach­forschern im Geiste des Ver­ewigten wahr­nehmen." (Quartär 5, 1951, 149). Dank seiner zahl­reichen Kontakte gelang es L.F. Zotz, tat­kräftig unter­stützt durch seine Schülerin Gisela Freund, bereits während der ersten Jahres­tagung der Gesell­schaft vom 16. bis 19. April 1952 in Regens­burg eine ganze Reihe von Wissen­schaftlern und Laien zu einem frucht­baren Gedanken­aus­tausch zu­sammen­zufüh­ren, die als Ur­ge­schicht­ler, Geologen, Paläonto­logen, Anthro­pologen etc. an der eis­zeitlichen Mensch­heits­geschich­te interes­siert waren. Bald zeigte sich, daß eine Be­schrän­kung allein auf das Eis­zeit­alter nicht sinn­voll sein würde, da es doch im frühen Post­glazial an der Wende vom Meso­lithikum zum Neo­lithikum mancherlei kultur­geschicht­liche Über­schnei­dungen und Ver­knüpfungen gibt. Deshalb nahm die Gesell­schaft 1956 die bis heute gültige Namens­änderung in "Hugo Ober­maier-Gesell­schaft für Erfor­schung des Eiszeit­alters und der Stein­zeit" vor.


Hugo Obermaier-Gesellschaft und Institut für Ur- und Frühgeschichte ERLANGEN