HUGO OBERMAIER-GESELLSCHAFTfür Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V. |
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Hugo Obermaier (1877 - 1946) und die Hugo Obermaier-Gesellschaft
Hugo Obermaier wurde an 29. Januar 1877 in Regensburg als Sohn des Kgl. Schulrates Anton Obermaier geboren. Nach Schulbesuch und Studium in seiner Heimatstadt erhielt er 1900 die Weihe zum weltlichen Priester. 1901-1904 studierte er in Wien bei Penck, Forster, Szombathy und Hoernes die Fächer Prähistorische Archäologie, Physikalische Geographie, Geologie, Paläontologie, Ethnologie, Deutsche Philologie und Menschliche Anatomie. 1904 wurde er mit einer Arbeit über "Die Verbreitung des Menschen während des Eiszeitalters in Mitteleuropa" promoviert. Nach seiner Habilitation 1908 in Wien wurde er gegen den heftigen Widerstand seines Lehrers Penck ebendort 1909 Privatdozent. Während dieser ganzen Zeit unternahm er zahlreiche Reisen in verschiedene Länder Europas, die ihm die Bekanntschaft und oft langjährige Freundschaft mit führenden Prähistorikern seiner Zeit einbrachten. 1911 wurde Obermaier als Professor an das neu gegründete Institut de Paléontologie Humaine in Paris berufen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte ihn in Spanien. Als Reichsdeutscher konnte er nicht mehr nach Frankreich zurückkehren. Obermaier blieb in Spanien, wo er zunächst am Museo Nacional de Ciencias Naturales in Madrid arbeitete, bis er 1922 an die Universidad Central von Madrid berufen wurde, der er bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges als außerplanmäßiger Professor angehörte. Einen ehrenvollen Ruf an die Universität Berlin auf den vakanten Lehrstuhl Max Eberts lehnte er 1933 nach langer und schwerer Entscheidung ab, da ihn die Übersiedlung nach Berlin allzu weit von seiner zweiten, der spanischen Heimat, deren Bürger er geworden war, und von seinem eigentlichen Forschungsgebiet getrennt hätte; weiterhin aber auch, weil er nach Auskunft seiner Nichte die nationalsozialistische Katastrophe heraufziehen sah. 1936 überraschte Obermaier der Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges in Oslo, wo er sein Land offiziell auf dem Congrès International d'Archéologie Préhistorique et Protohistorique vertrat. Allen Bemühungen seiner Freunde, insbesondere des Herzogs von Alba, zum Trotz, ihn wieder für Madrid zu gewinnen, entschloß sich Obermaier 1939, eine Professur in Freiburg in der Schweiz anzunehmen und nicht mehr nach Spanien zurückzukehren. Die angegriffene Gesundheit, die ungeklärte Frage seiner Altersversorgung in Spanien und die Tatsache, daß sein Schüler Martínez Santa Olalla öffentlich den angestammten Lehrstuhl für sich reklamierte und er nicht mit diesem in Konkurrenz treten wollte, bewegten ihn zu diesem Entschluß, den er schweren Herzens faßte. Am 12. November 1946 verstarb Obermaier nach langer, schwerer Krankheit, versehen mit allen christlichen Sakramenten, im Freiburger Salesianum. Er wurde in Freiburg mit allen Ehren bestattet und ruhte dort in Frieden, bis die Behörden unbemerkt von allen Kollegen und unauffindbar sein Grab auflösten. So erinnert allein eine Gedenktafel, die 1986 in seiner alten Hochschule anläßlich der 28. Jahrestagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft seinem Andenken gewidmet wurde, an diesen großen Gelehrten, der nirgendwo eine endgültige Bleibe gefunden hat. Jahrzehntelang wurde der Paläolithforschung in Deutschland im Vergleich zu nachfolgenden Epochen eine geringere Aufmerksamkeit zuteil, obwohl von Männern wie J. Ranke, R. R. Schmidt, H. Obermaier, G. Riek und anderen wichtige Impulse ausgegangen waren. Um diesem außerordentlich wichtigen Abschnitt der Menschheitsgeschichte ein geeignetes Forum zu schaffen, rief Lothar F. Zotz anläßlich der Festwoche des Kreises der Freunde der Universität Regensburg am 23. Juni 1951 an der Hochschule Regensburg, aus der Hugo Obermaier als gebürtiger Regensburger hervorgegangen ist, die "Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und seiner Kulturen" ins Leben. "Neben der Pflege und Förderung der Wissenschaft, der sich Hugo Obermaier, der bedeutendste Altsteinzeitforscher Deutschlands und einer der führenden der Welt, verschrieben hatte, will die Gesellschaft besonders die Beziehungen zu ausländischen Fachforschern im Geiste des Verewigten wahrnehmen." (Quartär 5, 1951, 149). Dank seiner zahlreichen Kontakte gelang es L.F. Zotz, tatkräftig unterstützt durch seine Schülerin Gisela Freund, bereits während der ersten Jahrestagung der Gesellschaft vom 16. bis 19. April 1952 in Regensburg eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Laien zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch zusammenzuführen, die als Urgeschichtler, Geologen, Paläontologen, Anthropologen etc. an der eiszeitlichen Menschheitsgeschichte interessiert waren. Bald zeigte sich, daß eine Beschränkung allein auf das Eiszeitalter nicht sinnvoll sein würde, da es doch im frühen Postglazial an der Wende vom Mesolithikum zum Neolithikum mancherlei kulturgeschichtliche Überschneidungen und Verknüpfungen gibt. Deshalb nahm die Gesellschaft 1956 die bis heute gültige Namensänderung in "Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit" vor. |