Jüngere Urgeschichte

Von Jägern zu Bauern, von Nomaden zu Städtern

Die Abteilung für jüngere Urgeschichte befasst sich mit dem Zeitraum von der Einführung von Ackerbau, Viehzucht und Keramikherstellung (in Mitteleuropa ca. 6. Jahrtausend v. Chr.) bis zum Übergang zu schriftführenden Kulturen. Dieser erfolgt in den südwestlichen Teilen Deutschlands mit der Eingliederung in das römische Reich, in den übrigen Teilen Mittel-, Nord-und Osteuropas teilweise erst Jahrhunderte später.

gekennzeichnet wird dieser Zeitraum unter anderem durch:

Seßhaftigkeit, Entwicklung von Dörfern bis hin zu stadtähnlichen Siedlungen

– Massive Bevölkerungszunahme (im Vergleich zu vorherigen Epochen)

– Immer schneller aufeinander folgende Innovationen im technologischen (z.B. Getreideverarbeitung, Textilien, Kupfer-, Bronze- und Eisenmetallurgie) und gesellschaftlichen Bereich (z.B. europaweite Austausch- und Handelsnetzwerke, gesellschaftliche Differenzierung).

Das gewachsene Fundspektrum, die geänderte Siedlungs- und Wirtschaftsweise und der damit stark zunehmende Einfluss des Menschen auf seine Umwelt (z.B. Vegetation, Wasserhaushalt und Tierwelt) sowie das ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. in verschiedenen Regionen zu beobachtende Nebeneinander von urgeschichtlichen Gesellschaften und solchen mit Schrift erfordern einen von der Älteren Urgeschichte deutlich verschiedenen, eigenständigen Methodenkanon.

 

 

 

 

Forschungsschwerpunkte

Ein Hauptschwerpunkt der Abteilung für jüngere Urgeschichte am Erlanger Institut stellt die Landschaftsarchäologie auf verschiedenen Ebenen, vom Dorf über Siedlungsgruppen bis hin zu ganzen naturräumlichen Einheiten dar, mitsamt aller dafür notwendigen Methodik. Auch die Untersuchung von Gräbern und Gräberfeldern ist in diesen Schwerpunkt eingebunden, so dass das gesamte System der Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen im Fokus steht.

Für die Landschaftsarchäologie besonderer Wichtigkeit sind dabei rechnergestützte Geografische Informationssysteme (GIS), Verfahren zur statistischen Auswertung großer Fundmengen (Seriation/Korrespondenzanalyse) sowie Methoden zur großflächigen, zerstörungsfreien Prospektion, beispielsweise Gradiometerprospektionen oder Geländeaufnahmen per UAV (Drohne). Auch die bei den Ausgrabungen des Institutes gemachten Funde (bspw. Silexartefakte, Mahlsteine) werden primär als Informationsträger für Fragen zu Wirtschaftsarchäologie und Kommunikationsnetzwerken genutzt.

Eine enge Vernetzung mit der Bodendenkmalpflege als Quelle für die meisten Informationen über Funde und Fundstellen ermöglicht erst landschaftsarchäologisches Arbeiten; überdies ist dieses undenkbar ohne eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit naturwissenschaftlichen Fächern, besonders der Bodenkunde, Mineralurgie, Archäozoologie und -botanik.

Projekte

Die Abteilung für jüngere Urgeschichte unterhält zahlreiche Projekte im In-und Ausland, zumeist mit landschaftsarchäologischen Inhalten, oder doch zumindest methodisch mit diesen verknüpft (bspw. Projekte zu Prospektionen oder der Einbindung von Drohen in die Grabungs- und Prospektionstechnik). Dabei beschränken sich die Tätigkeiten nicht nur auf die „klassischen“ Epochen der jüngeren Urgeschichte (Jüngere Steinzeiten/Metallzeiten), sondern auch Fundplätze der römischen Zeit und des Mittelalters werden zum Zwecke der Ausbildung und/oder Weiterentwicklung der technischen und wissenschaftlichen Methoden mit in die Forschung integriert.

Übersicht über die Maßnahmen der Abteilung für Jüngere Urgeschichte. Gut erkennbar sind die drei Schwerpunkte Landschaftsarchäologie Hunsrück/Eifel, Limes in Bayern und Kupferzeit in der Moldau.

Hier geht es zu den Projekten der jüngeren Urgeschichte