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Kreidehornstein der südöstlichen Frankenalb (2)
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Kreidehornstein der südöstlichen Frankenalb Typ 2, Sesselfelsgrotte

Sesselfelsgrotte, Schichten O, N und M3
Grabung Freund 1975 – 76
Grundformabbau
Typologische Zugehörigkeit: Typisches Moustérien
Höhe des linken Abschlags: 4,4 cm

Die beiden Abschläge, die zusammen mit 2 weiteren Fragmenten im Bereich der Schicht N gefunden wurden, sind für das Verständnis der kreidezeitlichen Silices von großem Nutzen. Bemerkenswert ist ihr Erhaltungszustand. Undeutlich vermag man eine grünliche, gegen Blau und Rot wechselnde Grundfärbung erkennen, die jedoch stellenweise von matt-grauen Flächen verdrängt scheint. An dem rechten Stück, das von diesem Phänomen weniger betroffen ist, scheint diese matt-graue Farbe ihren Ausgang in einigen kleinen Punkten zu nehmen. Im linken Stück ist die Grundfarbe nur noch partiell erhalten; auch hier ist das Grau stellenweise punktförmig angeordnet.

Im Bereich der Grundfarbe hat das Gestein (noch) die hornsteinartige Transparenz; durch eine sekundäre Verwitterung, die – wie sich zeigen wird – nach der Herstellung der Artefakte eingewirkt hat, wurde diese hornsteinartige Transparenz zum Verschwinden gebracht. Dabei scheinen die Hohlräume von Schwammnadeln – als Zentren der punktförmigen Anordnungen – den Patinierungsprozeß begünstigt zu haben. Das für die Kreidesilices charakteristische Glitzern der Spaltflächen – dies ist zu ergänzen – wurde von der Verwitterung nicht beinflußt.

Daß diese Verwitterung erst nach der Verarbeitung wirksam geworden ist, belegt ihre unterschiedliche Intensität und Anordnung auf den beiden Flächen, die sich – und das ist das Wesentliche – aufeinandersetzten lassen. Hätte die Verwitterung vor der Trennung stattgefunden, müßten identische Verwitterungsmuster zu finden sein. Dies ist jedoch nicht der Fall und wir können festhalten, daß der hornsteinartige Aspekt erst durch eine sekundäre Verwitterung zum Verschwinden gebracht wurde. Ähnliches kann übrigens auch bei Jurahornsteinen immer wieder beobachtet werden (sogen. ´patina inversa´) und wäre deshalb nicht weiter der Rede wert. Bei Kreidesilices ist dieser Gesichtspunkt hingegen wichtig, denn bei Qualitäten, die bereits in der Lagerstätte vollständig patiniert sind, legt dieses veränderte Aussehen die Ansprache ´Quarzit´ nahe. Darauf wird weiter unten (Kreidequarzit Typ Lehnberg) eingegangen.

Abschließend soll die Aneinandersetzung der beiden Flächen genauer angesprochen werden, da sie ungewöhnlich ist, insofern beide Flächen Dorsalflächen sind – die Regel sind ja Aufeinandersetzungen von Ventral- auf Dorsalflächen. Zunächst eine Beschreibung: Beide Stücke passen so aufeinander, daß die jeweils von einem natürlichen Rücken gebildeten Kanten der Abschläge zusammen eine gemeinsame Fläche ergeben; der rechte Abschlag muß also nur entlang seiner Achse um 180 Grad nach links gekippt werden.

Wie könnte das Zustandekommen einer solchen Zusammensetzung erklärt werden ? Es muß ursprünglich ein größeres Gesteinsstück gegeben haben, das durch einen ersten Spaltvorgang in zwei Teilstücke getrennt wurde. Die dabei entstandenen Trennflächen sind die gezeigten Dorsalflächen. Nachdem an jedem Teilstück sorgfältig die Schlagfläche präpariert war (siehe Zeichnung der Schlagflächenreste), wurde schließlich jeweils der Abschlag abgetrennt.

Beide Abschläge können nach der für das westeuropäische Mittelpaläolithikum gültigen Typologie als ´Messer mit natürlichem Rücken´ (Typ Nr. 38) angesprochen werden.

Literatur:

Weißmüller, W.: Die Silexartefakte der Unteren Schichten der Sesselfelsgrotte. Ein Beitrag zum Problem des Moustérien. Quartär-Bibliothek 5. Bonn, 1995. (Vgl.: Nr. 342)

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