Lithothek – Südöstliche Frankenalb – Jura – Jurahornstein der südöstlichen Frankenalb (1)

Jurahornstein der südöstlichen Frankenalb (1)
Jurahornstein der südöstlichen Frankenalb Typ 01, Sesselfelsgrotte

Jurahornstein der südöstlichen Frankenalb Typ 01, Sesselfelsgrotte

Sesselfelsgrotte, Schichten O, N und M3
Grabung Freund 1971, 1975 und 1976
Präparation, Grundformabbau und Modifikation
Typologische Zugehörigkeit: Charentien-Moustérien
Breite des linken Artefaktes: 3.9 cm.

Im Übergangshorizont zwischen den Schichten O und Schicht M3 ist mit insgesamt 33 Stücken die Verarbeitung einer Hornsteinknolle nachgewiesen. Nach den Rindenresten und nach der Größe der Artefakte zu urteilen, war sie von kleinen Abmessungen ( kleiner 10 cm ? ) und unregelmäßig flacher Form. Die sandpapierartig rauhen Rindenflächen belegen, daß das Rohstück keine natürliche Verlagerung erfahren hat (bei der die Cortex abgerollt worden wäre) und unweit des Ortes seiner Entstehung gefunden wurde. Anzunehmen ist die Entnahme aus einer primären Residuallagerstätte, hervorgegangen aus der chemischen Verwitterung des Muttergesteins.

Damit eine solche chemische Verwitterung geschehen kann, muß der silexführende Gesteinskörper erst trocken gefallen sein, so daß sich eine Pflanzendecke bilden kann, welche die zur Lösung notwendigen Säuren (Huminsäuren) bereitstellt. Solche Bedingungen sind nach der Jurazeit im Gebiet der südöstlichen Frankenalb anhand von tiefgründigen Verwitterungs-Spuren (Verkarstung) mehrfach nachgewiesen (bes. in Unter-Kreide und Alt-Tertiär). Zurückbleiben die unlösbaren Bestandteile des Muttergesteins: die feintonigen Substanzen, verdichtet zu einem schweren Lehm, und darin eingebettet die Kieselbildungen.

Die rötlichbraune Färbung der Cortexflächen ist in sehr ähnlicher Ausprägung auch an den Plattenhornsteinen von Baiersdorf zu finden – diese entstammen ebenfalls einer Residuallagerstätte. Weitere Vergleiche zu den Hornsteinen aus Baiersdorf ergeben sich aus der insgesamt grauen Färbung und aus den für Baiersdorf als charakteristisch beschriebenen wolkenartigen Verfärbungen. Daneben können allerdings feine, mehr oder weniger scharf begrenzte dunkle Punkte festgestellt werden (auf der Abbildung besonders am zweiten Stück), welche auf die Wirkung von Organismen zurückzuführen sind und so auf ein von Baiersdorf abweichendes Bildungsmilieu hinweisen. Eine Entstehung innerhalb einer höheren Lage des Malms (Malm Zeta ?) ist wahrscheinlich.

Wie dies häufig an Jurahornsteinen zu finden ist – auch an den Knollen, Fladen oder dickeren Platten von Baiersdorf -, zeigen sich Strukturunterschiede gegen das Innere der Knolle: Das in den äußeren Bereichen feinkörnig ausgebildete Material wird gegen die Mitte zu grobkörnig und in diesen Bereichen sind die Möglichkeiten zur Verarbeitung begrenzt (vgl. die gesplitterte linke Kante des vorletzten Stückes).

Die Artefakte belegen die Verarbeitung eines in weitgehend vollständigem Zustand eingebrachten Rohstückes. Zahlreiche Stücke mit Rindenresten zeugen von der für einen geregelten Abbau von Abschlägen notwendigen Präparation. Aus einem frühen Stadium stammt auch der Abschlag links, dessen breite – nach dem Abtrennen noch scharfe – terminale Begrenzung im Verlauf des Gebrauchs in einen Transversalschaber umgewandelt worden ist.

Mehrfach sind Schlagflächenreste zu finden, die durch eine feine Verstumpfung sorgfältig präpariert wurden (auf der Abbildung an dem vierten Stück). Offensichtlich wurde der kleinen Hornsteinknolle größere Aufmerksamkeit gewidmet, indem eine für das Mittelpaläolithikum typische Methode der Abschlagserzeugung herangezogen wurde. Ein Ergebnis dieser Methode ist an dem fünften Abschlag zu sehen. Der Verlauf der Kanten folgt der Anordnung der Leitgrate, gebildet aus dem großen, zentral gelegenen Negativ, das eben aus diesem Grund auf der Abbaufläche des Kerns angelegt wurde. Eine solche Methode der Kernpräparation erlaubt die gezielte Herstellung von sanft gewölbten Abschlägen mit ausgewogenen Proportionen hinsichtlich Länge, Breite und Dicke, deren von beiden Seiten des Schlagflächenrestes ausgehende Kante eine umlaufende scharfe Schneide bildet: Levalloisabschläge.

Literatur:

Bordes, F.: Études comparatives des différentes techniques de taille du silex et des roches dures. L´Anthropologie 51, 1947, 1-29.

Weißmüller, W.: Die Silexartefakte der Unteren Schichten der Sesselfelsgrotte. Ein Beitrag zum Problem des Moustérien. Quartär-Bibliothek 5. Bonn, 1995. (Vgl. Kat.Nr. 397).

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