Diachrone Landschaftsarchäologie im Spätneolithikum und in der Kupferzeit in der Moldau (Moldova), Rumänien

Prof. Dr. Doris Mischka, Dr. Carsten Mischka, Prof. Dr. Gheroghe Lazarovici, Dr. Magda Lazarovici, Prof. Dr. Alexander Rubel

Seit 2014. Förderung 2016 durch die Gerda Henkel Stiftung; Förderung durch BAYHOST – Mobilitätsbeihilfe (Tagung Suceava 2014) und Bayerische Forschungsallianz (Prospektion Frühjahr 2015)

Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie Iaşi, der Universität Alba Iulia, dem Complexul Muzeal Judeţean Neamţ, dem Muzeul Iulian Antonescu in Bacău sowie der Universität Suceava. Gefördert und dadurch überhaupt erst ermöglicht wird das Projekt durch die Gerda-Henkel-Stiftung.

Vorläufige Ergebnisse des Projektes:

Frühjahr 2017:

Prospektionsteam nach erfolgreicher Kampagne zurück aus Rumänien

von Carsten Mischka

Nach vier Wochen Feldarbeit im März ist das Team der diesjährigen Rumänien-Frühjahrskampagne wieder nach Erlangen zurückgekehrt. Während dieses Praktikums führten die Studenten F. Gapp, B. Praschl, M. Schaffer B.A. und F. Wanka unter der Leitung von Dr. C. Mischka geomagnetische Prospektionen sowie Drohnenbefliegungen zur Geländemodellerstellung an insgesamt 12 Fundplätzen durch.

 

Römisches Lager und neolithische Häuser in Transsilvanien

Das Erste Ziel war Războieni-Cetate im Kreis Alba (Transsilvanien), dem ehemaligen Standort der dort inschriftlich belegten Ala I batavorum. Nahezu der gesamte römische Fundplatz ist heute noch unüberbaut und so konnte fast das gesamte Kastell sowie ein Großteil der zugehörigen Zivilsiedlung (vicus) untersucht werden. Dabei bewährte sich ins besonders die neu angeschaffte, mit Mitteln des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg finanzierte DGPS-Kopplung des Magnetikgerätes. Diese ermöglicht u.a. eine Steigerung der täglichen Flächenleistung um bis zu 20%.  Die daher über 24 Hektar große Messfläche liefert umfassende Informationen über die Lagerumwehrung und ‑innenbebauung, beispielsweise die principia und Reiterbaracken sowie den Aufbau des vicus und einen Teil des ländlichen Umfeldes.

Ebenfalls im Kreis Alba wurde die bereits 2015 begonnene Prospektion des neolithischen Fundplatzes „Lumea Noua“ im Stadgebiet von Alba Iulia fortgesetzt. Dabei konnten erstmals an diesem Platz Spuren verbrannter Hausgrundrisse sowie eines den Fundplatz begrenzenden Grabensystems festgestellt werden.

Cucuteni und Precucuteni in der Moldau

Nach der Überquerung der Karpaten wurden die seit 2015 laufenden Arbeiten zur Precucuteni- und Cucuteni-Kultur in der Moldau fortgesetzt. Ziel der Aktivitäten ist die Untersuchung des Siedlungswesens dieser Zeit in einem Transsekt von den Subkarpaten bis hin in die moldawische Ebene.

Erster Teil dieses Vorhabens ist die möglichst vollständige diachrone Aufnahme der neolithischen und kupferzeitlichen Fundplätze in der Neamț-Senke im nördlichen Kreis Neamț. Dafür wurden dort dieses Frühjahr die vier Precucuteni-Fundplätze Tolici, Săcălușești, Topolița „La Ilioi“ und Topolița „Nordwest“ prospektiert. Die Ergebnisse zeigen die für diese Region typischen, nur selten über ein bis zwei Hektar großen, teilweise von Grabenwerken eingefassten Siedlungen. Die Anzahl der Hausbefunde reicht dabei von einigen wenigen bis zu über 30 Stück. Zusätzlich wurde noch der forschungsgeschichtlich wichtige Fundplatz Traian „Dealul Viei“ in der Nähe von Piatra Neamț selbst begangen.

Den zweiten Teil der Arbeiten am Transsekt Karpaten-Moldau bildete die Intensivierung der ebenfalls seit 2015 laufenden Arbeiten im Kreis Iași. Dort konnte die im letzten Jahr durch unsere rumänischen Kooperationspartner neu entdeckte Siedlung Dobrovăț begangen werden. Zwar liegt der Platz zum größten Teil in einem Wald, allerdings konnten trotzdem noch einige linear angeordnete Häuser am Waldrand nachgewiesen werden. Dobrovăț fällt in die Cucuteni A3-Periode und ist damit zeitglich zum nur wenige Kilometer entfernten Fundplatz Scânteia, dessen Ausgrabung durch unser Institut in diesem Sommer weitergeführt werden soll.

Neu hinzugekommen ist die Kooperation mit dem Museum im Kreis Botoșani. Am Ufer des Grenzflusses Prut wurden die beiden Fundplätze Mitoc „Valealui Stan“ und „Pârâul lui Istrate“ untersucht. Dabei ist letzterer von besonderem Interesse, da er chronologisch unmittelbar am Übergang von der Precucuteni- zur Cucuteni-Kultur liegt. Auf ca. fünf Hektar Siedlungsfläche konnten hier über 80 Hausgrundrisse sowie ein Grabenwerk festgestellt werden.

Mittelalterlicher Exkurs – Die Festungen von Ştefan cel Mare

Neben den Arbeiten zum Neolithikum wurden die Aufgaben des Teams in der Moldau noch durch die Prospektion der Festung in Gâdinți aus dem späten 15. Jhd. ergänzt. Nahe der Stadt Roman befand sich dort ehemals die größte Festung des moldawischen Fürsten Ştefan cel Mare. Ebenfalls in diese Zeit fällt die mittlerweile restaurierte Festung „Cetatea Neamț“ in Târgu Neamț. Dort führten B. Praschl und F. Wanka Befliegungen mit dem UAV durch, um per Structure-from-Motion ein dreidimensionales Modell dieser beeindruckenden Anlage zu erstellen.

Weitere Schritte

Die Reise war somit nicht nur wissenschaftlich ein voller Erfolg. Durch die Arbeit vor Ort und den Kontakt mit den rumänischen Kollegen boten sich den Teilnehmern zudem eine intensive Ausbildung an den technischen Geräten des UFG-Institutes, sowie ein tiefer Einblick in die osteuropäische Archäologie. Weitere Maßnahmen sind bereits geplant, um die Zusammenarbeit mit den rumänischen Kollegen weiter zu intensivieren und noch mehr Studenten die Gelegenheit zu bieten, an den Auslandsprojekten des Institutes teilzunehmen. So steht für den Sommer die nächste Ausgrabungskampagne in Scânteia an, und auch die geomagnetischen Prospektionen werden parallel dazu weitergeführt werden.

Kooperationspartner

Die Kooperationspartner vor Ort waren das Archäologische Institut der Rumänischen Akadamie der Wissenschaften, Außenstelle Iasi (Prof. A. Rubel, Dr. M. Lazarovici, Dr. A. Bersovean), Dr. Rada Varga (Babes-Bolyai Universität Cluj), das archäologische Institut der Universität „1. Dezember“ in Alba Iulia (Prof. M. Gligor), der Complexul Muzeal Județean Neamț mit dem Cucuteni-Museum (Dr. C. Preoteasa) und dem Museum für Geschichte und Ethnographie Târgu Neamț (Dr. V. Diaconu) und das Muzeul Județean Botoşani (Dr. A. Kovacs).

Sommer 2016:

Grabung Scânteia


Überlagernde Häuser
In Scânteia (Kreis Iaşi) wurde in Zusammenarbeit mit Dr. C.-M. Lazarovici (Institut für Archäologie Iaşi) sowie Prof. Dr. G. Lazarovici mit Haus 14 ein ungewöhnlich gut erhaltener Befund eines verbrannten Hauses aus der Cucuteni-A3-Phase ergraben. Zunächst wurde die Rotlehmpackung komplett freipräpariert, wobei sich herausstellte, dass Haus 14 am östlichen Schnittrand ein weiteres Haus, Nr. 15 überlagert. Aufgrund der mit 60-80cm sehr mächtigen Sedimentauflage war dies anhand der 2015 gemachten Geomagnetik nicht ohne weiteres erkennbar. Die auf Basis des Magnetogramms bisher angenommene Anzahl von 40 Hausbefunden in Scânteia stellt damit wohl nur eine absolute Untergrenze der tatsächlich im Boden befindlichen Bauten dar.

Wände, Fußböden und Pfostenspuren
Nach der Freilegung der Rotlehmpackung wurden in einem Viertel des Hauses 14 zunächst die zur verstürzten Wand gehörenden Bruchstücke abgenommen und in ihrer ursprünglichen Lage entsprechend wieder nebeneinander angeordnet. So ergibt sich ein detailliertes Bild des Wandaufbaus.

Analog wurde nach Einzeleinmessung aller auf ihm befindlicher Fundstücke der Fußboden entnommen und wieder „zusammengepuzzelt“. Die Dokumentation erfolgte dabei sowohl zeichnerisch als auch mitels dreidimensionaler Modellerstellung per SFM. Das Ergebnis zeigt eine von der in der Cucuteni-Zeit in der Moldau eigentlich üblichen Bautechnk abweichende Konstruktion des Bodens.  Diese für Fußböden ungewöhnliche Technik, sowie die unter dem Boden liegenden, nur schwach verziegelten Feuerstellen und Reste großer Gefäße weisen unter Umständen auf darauf hin, dass hier nicht der Fußboden des Erdgeschosses, sondern möglicherweise der Boden eines Zwischengeschosses vorliegt. Hier kann allerdings nur die Ausgrabung auch der übrigen Teile des Hauses Klarheit schaffen.

Unter der Rotlehmpackung wurden schließlich die Überreste mutmaßlicher Pfostenspuren aufgedeckt, die Hinweise auf die tragende Konstruktion des Gebäudes geben können.

Tausende von Funden
Entsprechend dem aus Cucuteni-Siedlungen bekanntem Muster erbrachte auch Haus 14 Funde in einer Menge und Qualität, wie sie auf neolithischen Grabungen in Deutschland kaum vorstellbar sind. Mehrere Tausend häufig mehr als handtellergroße Scherben hartgebrannter, polychrom bemalter Keramik zeugen vom enormen Formenschatz der Cucuteni-Keramik. Allerdings mussten die Scherben aufgrund der anhaftenden Kalkablagerungen zunächst einer intensiven Behandlung mit Zitronensäure unterzogen werden, um die Bemalung wieder erkennbar zu machen. Teilweise waren vier bis fünf Leute allein für dieses Prozedere im Innendienst gebunden.

Außer der Gefäßkeramik wurden noch einige anthropomorphe Figurinen von bis zu 25cm Größe sowie auch ein zoomorphes Idol gefunden. Zahlreiche Mahl- und Schleifsteine aus Felsgestein sowie einige wenige Silex- und Kupferartefakte vervollständigen das Fundensemble.

Die Funde selbst wurden teilweise direkt nach der Reinigung statistisch erfasst. Besondere Funde – Gefäße, Statuetten aber auch besonders aussagekräftige Bauelemente aus Rotlehm wurden dann noch in Scânteia von N. Bößl gezeichnet und mittels SFM in 3D-Modelle überführt.


Geomagnetik


Parallel zu den Grabungsarbeiten wurden an sieben verschiedenen Fundorten Prospektionen mit dem Gradiometer durchgeführt. Mehrere archäologische Epochen konnten abgedeckt werden.

In Războieni-Cetate (Kreis Alba) wurden Testflächen im Bereich der Zivilsiedlung (vicus) des dortigen römischen Kastells begangen. Der Fundplatz in Siebenbürgen, dessen Untersuchung gemeinsam mit der Universität Alba Iulia erfolgte, passt sich somit in die lange Reihe der Forschungen unseres Institutes Welterbe Limes ein. Obwohl es sich hier eher um eine „Machbarkeitsstudie“ handelte und der Stand der Ernte nur kleine Prospektionsflächen zuließ, zeigen die Funde von Kellern und Gruben sowie eines mehrräumigen Steinbaus das Potential des Fundplatzes auf. Wenn irgend möglich, soll die Vervollständigung des Magnetogramms erfolgen, bei über 45 Hektar Fläche eine Aufgabe für zahlreiche Geländepraktika in den nächsten Jahren!

In eine ähnliche Zeitstellung fällt der Fundplatz Pâncești (Keis Bacău). Zusammen mit Kollegen des Institut für Archäologie Iaşi sowie in Kooperation mit dem  Muzeul Iulian Antonescu in Bacău, mit dem wir schon 2015 im Rahmen der Prospektion Cucuteni-zeitlicher Fundorte zusammenarbeiten, wurde hier die Außensiedlung  der bedeutenden geto-dakischen Höhenbefestigung Răcătău prospektiert. Diese liegt auf einer Lößterrasse unmittelbar oberhalb des Lacul Berești, eines Stausees am Siret und ist in den nicht mit Wald bestandenen Arealen nahezu vollständig ausgegraben. Die Außensiedlung ist hingegen bislang weitgehend unerforscht. Während der Prospektionsarbeiten konnte der Kollege Dr. S. Honcu zahlreiche Keramikfunde machen, darunter unter anderem auch Reste importierter Amphoren aus dem Schwarzmeergebiet.

Leider waren auch hier die begehbaren Flächen sehr klein. Grubenbefunde und ein mutmaßlicher Pfostenbau  zeigen aber, dass wir auch hierhin wohl noch einmal zurückkommen müssen, um erstmals vielleicht das Bild einer kompletten dakischen Siedlung zu bekommen.

In die Spätantike fällt die Nekropole der Santana-de-Mureş-Kultur von Strunga (Kreis Iaşi). Hier wurden bei der Anlage eines Weinberges Gräber aufgedeckt, und schon beim Weg zur Fläche stößt man auf teilweise freierodierte Schädelkalotten im Feldweg. Die flachen, kleinen Körpergräber dieser Epoche stellen aber für die Geomagnetik kaum geeignete Ziele dar, so dass es nicht überraschend ist, dass das Magnetogramm keine archäologisch zu deutenden Anomalien enthält.

Der jüngste untersuchte Fundort ist Sasova (Kreis Vaslui). Auf eine Anfrage des orthodoxen Priesters von Scânteia hin wurde hier der vermutete Standort einer katholischen Kirche aus dem Hochmittelalter überprüft. Dieser Bau steht im Zusammenhang mit der damaligen Ausweitung des Siedlungsgebietes der in Siebenbürgen angesiedelten deutschen Bevölkerungsgruppe in die Gebiete jenseits der Karpaten. Die örtlichen Bauern berichteten von großen Steinplatten, die sie gefunden hätten, so dass der Verdacht nahe lag, die um die Kirche herum angelegten Gräber würden angepflügt. Im Magnetogramm konnten schließlich die Fundamentreste eines ca. 13x6m großer Baus mit Apsis im Osten nachgewiesen werden, so dass die ehemalige katholische Kirche von Sasova nun mit großer Wahrscheinlichkeit als lokalisiert gelten kann.

Der Schwerpunkt der Geomagnetik lag selbstverständlich jedoch auf Siedlungen der Cucuteni-Periode.

Der Fundplatz Văleni – Cetăţuia (Kreis Neamt; Funde aus der Precucuteni-Phase sowie aus Cucuteni A und B)  liegt im Stadgebiet von Piatra-Neamţ und ist zum Teil durch – heute noch im Gelände sichtbare – Stellungen aus dem 2. Weltkrieg überprägt. Zwischen diesen konnten auf kaum einem Hektar Begehungsfläche aber trotzdem noch die Spuren von mindestens 13 verbrannten Häusern und zahlreichen großen Grubenbefunden festgestellt werden. Untypisch für Cucuteni-Fundplätze ist das fehlende Grabensystem, was allerdings auf die Sonderlage von Valeni auf einer ehemaligen Insel in der Bistritz zurückzuführen sein könnte.

Der zweite Fundplatz der 2016 im Zuge der Kooperatiosvereinbarung unseres Institutes mit dem Complexul Muzeal Judeţean Neamţ untersucht wurde, ist Ghelăieşti – Dealul Nedeea (Cucuteni A-B und B). Untypisch für die ansonsten relativ kleinen Fundplätze in den Subkarpaten handelt es sich hier um eine fast 7 Hektar große Siedlung. Das durch Ausgrabungen nahezu vollständig untersuchte allerdings weitgehend unpublizierte Zentrum des Fundplatzes ragt auf einer Halbinsel in einen Stausee hinein. Wesentlich interessanter ist jedoch der Teil des Siedlung, der sich in die benachbarte Hochfläche hinein ausdehnt: Mindestens zwei konzentrische Grabensysteme fassen eine Siedlung ein, in der die Häuser in Reihen nebeneinander stehen. Diese Reihen greifen in radialen Strahlen vom Zentrum auf der Halbinsel in die Ebene aus. Diese Anordnung entspricht den (allerdings deutlich größeren) Siedlungen der Tripolje-Kultur in der Republik Moldau und der Ukraine, ist aber auch mit etwas früheren Fundplätzen in Siebenbürgen zu vergleichen. Ghelăieşti könnte somit ein Bindeglied zwischen diesen beiden durch die Karpaten getrennten Regionen darstellen.

Den Abschluss der Prospekionsarbeiten stellt die Begehung des Fundplatzes Părhăuţi-Muncel (Kreis Suceava) in der Bucovina dar. Die Funde streuen hier auf einem Höhenrücken über mehr als 10 Hektar Fläche. Nähere Untersuchungen fanden bislang allerdings noch nicht statt. Die Studenten B. Praschl und F. Gapp prospektierten zusammen mit Dr. S. Ignatescu von der Universität Suceava einige Suchstreifen auf dem Hügel, um Informationen über die Ausdehnung der Siedlung sowie die Befunderhaltung zu erhalten. Dabei gelang es ihnen, nicht nur mindestens 41 teilweise sich überlagernde Hausbefunde, sondern auch ein Grabensystem zu lokalisieren, dass den Sporn des Hügels von der angrenzenden Hochfläche abtrennt.


UAV-Befliegungen


Die Rumänien-Kampagne 2016 war die erste, während der das UAV („Drohne“) des Institutes intensiv zum Einsatz kam. Neben der teilweise täglichen Erstellung von Orthophotos und zentimetergenauen 3D-Modellen der Grabungsfläche lag die Hauptaufgabe in der Erstellung großflächiger digitaler Höhenmodelle (DGM) sowie Orthophotos ganzer Fundplätze. Diese Technik wurde in Scânteia, Ghelăieşti, Văleni, Izvoare, Raucesti, Poduri und Părhăuţi angewandt, wobei die Modelle dabei bei Auflösungen von 5-6cm (DGM) bzw. 1-2cm (Photo) teilweise über 10 Hektar groß sind.

Da bereits im Vorfeld der Grabung Erfahrungswerte zur möglichst effektiven Befliegung gesammelt und Studierende in der Bedienung des UAV ausgebildet wurden, konnten diese Aufgaben im Wechsel von den verschiedenen Personen sehr effektiv durchgeführt werden. Beispielsweise konnten die Modelle von Izvoare und Văleni in jeweils 40 Minuten erstellt werden, während die komplette Erfassung der Grabungsschnittes in Scânteia kaum 15 Minuten erforderte. Das Datenprocessing mit Hilfe von der Agisoft-Photoscan-Software zur 3D-Modellierung sowie der Integration im QGIS-System ist dabei normalerweise in ca. einer Stunde abgeschlossen.

Damit ist klar geworden, dass der Einsatz von Drohnen in der Feldarchäologie nicht mehr auf Spezialisten beschränkt sein muss und immer schneller zu einem völlig normalen Werkzeug der Archäologie wird. Es ist daher geplant, die halbjährlichen Prospektions- und Vermessungsübungen um diesen Ausbildungsgang zu erweitern.

Fazit
Der in Scânteia angeschnittene Hausbefund mit seiner sehr guten Erhaltung birgt noch großes Potential für weitere Studien zur Bautechnik und Raumaufteilung Cucuteni-zeitlicher Häuser. Ebenso konnten aber auch wichtige Erfahrungswerte zur Ausgrabung solcher Befunde, insbesondere zur Kombination der jahrzehntelangen Erfahrung der rumänischen Kollegen mit dem Einsatz modernster Dokumentationsmethoden gewonnen werden.

Für die geplante Fortführung der Arbeiten sowie einer möglichen Verlagerung/Ausweitung der Erforschung Scânteias auf Testschnitte in möglichst vielen weiteren Hausbefunden stellen dies Erfahrungen von unschätzbarem Wert dar.

Die teilweise überraschenden Ergebnisse der Geomagnetik zeigen die Vielfalt des Siedlungswesens zur Cucuteni-Zeit, aber auch die Notwendigkeit, möglichst viele Siedlungen einer Region zu untersuchen, um eben diese Vielfalt erfassen, begreifen und vielleicht eine Ordnung in ihr herausarbeiten zu können. Aber auch die nicht-neolithischen Fundplätze zeigen wieder einmal den wissenschaftlichen Wert der gephysikalischen Methoden und ermöglichen die Fortsetzung der Ausbildung unserer Studenten hin zur eigenständigen Durchführung solcher Maßnahmen.

Danksagung
Das Projekt konnte nur erfolgreich durchgeführt werden mit Hilfe unseres Ausgrabungsteams:
J. Beck, D. und N. Bößl, C. Drummer B.A., F. Gapp, M. Gildehaus, S. Glörfeld, M. Kuschel, N. Langer, B. Praschl, J. Rütten, G. Schafferer M.A., M. Scheller und F. Wanka.

Außerdem danken wir unseren rumänischen Kollegen vor Ort für ihre Hilfe und Unterstützung in praktischen wie auch administrativen Dingen: Dr. M. Lazarovici und Prof. Dr. G. Lazarovici, sowie Dr. A. Bersovean, Dr. S. Honcu, A. Huşleag, Dr. S. Ignătescu, Dr. D. Munteanu, Dr. C. Preoteasa, Prof. Dr. A. Rubel, Dr. A. Theodor, L. Teodor, Dr. S. Ţurcanu und Dr. R. Vaga.

 

Frühjahr 2015:

Bericht über Prospektionskampagne 22. Februar bis 24.März 2015

von Carsten Mischka

Rückkehr nach erfolgreicher Rumänien-Kampagne
Der Vorbereitung neuer Ausgrabungs- und Forschungsprojekte in Rumänien diente die mehr als vierwöchige Prospektionskampagne eines Teams des Institutes für Ur- und Frühgeschichte in diesem Februar und März. Dr. Carsten Mischka und die Studenten Imren Tasimova, Merlin Hattermann und Andreas Niessner konnten im Laufe dieser Reise mit dem institutseigenen Gradiometer erfolgreich Begehungen auf neun Fundplätzen in der Moldau, der Dobrudscha sowie in Transsylvanien durchführen. Dies geschah in Kooperation mit Kollegen des Instituts für Archäologie Iași sowie des Historischen und Archäologischen Museums Piatra Neamț, des Iulian Antonescu-Museums in Bacău, des Institutes für Archäologie der Universität „1. Dezember“ in Alba Iulia sowie des Transsilvanischen Nationalmuseums für Geschichte in Cluj.

Schwerpunkt der Untersuchungen waren Fundplätze der kupferzeitlichen Cucuteni-Kultur (ca. 4600-3600 v. Chr.) in der Moldau, dabei insbesondere des Fundplatzes Scânteia (Kr. Iași), an dem eine mehrere Hektar große Siedlung mit vierfachem Grabensystem und mehreren Dutzend Hausbefunden geomagnetisch prospektiert werden konnte. Weitere Begehungen von kleineren, teilweise eng benachbarter Fundplätze in den Kreisen Piatra Neamț und Bacău dienten der Erforschung des Siedlungsmusters der Cucuteni-Kultur.

Selbstverständlich beschränkten sich die Arbeiten aber nicht nur auf eine Zeitepoche, und so folgten Prospektionen der frühkaiserzeitlich bis spätantiken Stadtanlage von Libida bei Slava Rusă (Kr. Tulcea) in der Dobrudscha sowie des römischen Kastells von Resculum/Bologa (Kr. Cluj) sowie der neolithischen Siedlung von Lumea Noua (Kr. Alba Iulia) in Transsylvanien.

Obwohl Witterung und Untergrund die Arbeit teilweise stark erschwerten, konnte das Team auf nahezu allen Fundplätzen wertvolle, neue Ergebnisse über die Ausdehnung und Struktur der Fundplätze gewinnen. Ebenso wichtig war die Möglichkeit, zahlreiche Kollegen vor Ort persönlich kennen zu lernen und die Möglichkeit zukünftiger gemeinsamer Projekte zu besprechen. Die Studierenden schließlich erhielten auf der Reise die Möglichkeit, ihr in den Feldpraktika des Institutes erlerntes Können bei einem Forschungsprojekt im Ausland zur Anwendung zu bringen, eine Möglichkeit, die im Falle der Realisierung der als nächstes geplanten Ausgrabungen und intensivierten Prospektionen in Rumänien noch weitaus mehr Studierenden geboten werden soll.

Seit 2014, Förderung durch BAYHOST – Mobilitätsbeihilfe (Tagung Suceava 2014) und Bayerische Forschungsallianz (Prospektion Frühjahr 2015)