Archiv des Autors: Thorsten Uthmeier

3D-Dokumentation von Faustkeilen aus der Qesem-Höhle, Israel beendet

In der diesjährigen Sommerkampagne haben J. Lopez und Th. Uthmeier an der Tel Aviv University Faustkeile aufgenommen, die aus 400.000 bis 200.000 Jahre alten Schichten der Qesem-Höhle stammen. Sie wurden von Menschen hergestellt, bei denen es sich nach dem derzeitigen Kenntnisstand möglicherweise um die frühesten modernen Menschen (Homo sapiens sapiens) handelt. Alternative Interpretationen des anthropologischen Fundmaterials sehen in den zahlreichen Zähne solche des Neandertalers (Homo sapiens neanderthalensis). Die Faustkeile sind ein eher traditioneller Bestandteil eines ansonsten innovativen Werkzeugsatzes, der vor allem durch (Quina-)Schaber bestimmt wird, die ansonsten erst vor 50.000 bis 60.000 Jahren auftreten. Weitere innovative Merkmale im Verhaltensrepertoire der Qesem-Bewohner sind Recycling (von Steinwerkzeugen und Knochen), eine auf Damwild spezialisierte Jagd sowie die sichere Beherrschung des Feuers.

Neben einer konventionellen zeichnerischen und merkmalanalytischen Aufnahme wurden die Faustkeile zum Zwecke morphometrischer Analysen dreidimensional dokumentiert.

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Bestimmungübung Petersberg am 1. und 2. Juli 2016

In dieser Woche veranstalten S. Schrödel, J. Weinig und T. Uthmeier eine Bestimmungsübung an Fundmaterial von der berühmten mittelpaläolithischen Station Petersberg bei Halle.
Die Übung vermittelt in praxisnaher Weise die Bestimmung und Inventarisierung von Funden nach Vorgaben des Sächsischen Landesamtes.

An beiden Tagen treffen sich Interessenten um 9.00 Uhr im Seminarraum des Instituts. Um eine kurze Rückmeldung bei Teilnehme wird gebeten unter thorsten.uthmeier@fau.de

UE: Archäologische Bestimmungsübung an Originalmaterial vom Petersberg (Petersberg)
Dozent/inProf. Dr. Thorsten Uthmeier
AngabenÜbung, ECTS-Studium, ECTS-Credits: 2

Beiträge aus dem Institut in der neuesten Ausgabe von „Archäologie in Deutschland“

In der neuesten Ausgabe von „Archäologie in Deutschland“ (Heft 3/2016) finden sich Beiträge von A. Maier und T. Uthmeier. Sie sind Bestandteil des aktuellen Titelthemas „Neandertaler“, das sich aus folgenden Enzelbeiträgen zusammensetzt:
– Neandertaler im Aufwind
– Von Wilden Männern und Frauen
– Knochen und Gene – ein kleines Stück Neandertaler steckt noch in uns
– »Modernes Verhalten« und Neandertaler – ein Widerspruch? (T. Uthmeier)
– Ist da draußen jemand? Zur Bevölkerungsdichte der letzten Eiszeit (I. Schmidt & A. Maier)
– Vom Speisezettel der Neandertaler
– Wie die Familie der eiszeitlichen Menschen immer bunter wird – Fragen an Svante Pääbo.

Neue Ergebnisse zur Felsbildkunst in Bayern

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Masterarbeit von Julia Blumenröther, die sich mit der Frage nach dem Vorliegen von Felsbildkunst in der Mäanderhöhle beschäftigt hat, ist inzwischen in einer ersten Publikation in den DENKMALPFLEGE INFORMATIONEN erschienen (http://www.blfd.bayern.de/medien/denkmalpflege_informationen_163.pdf.)

Dieser Beitrag ist auf großes Interesse gestoßen und hat weitere Publikationen u.a. in der aktuellen Ausgabe der ZEIT und auf SpiegelOnline nach sich gezogen. Trotz des sehr populären Titels ist der Beitrag selbst lesenswert. zum Spiegel-Online-Artikel

Prof. Dr. Viktor Chabai als Humboldt-Gastwissenschaftler am Institut

Victor ChabaiSeit dem 01.02.2016 ist Prof. Dr. Viktor P. Chabai als Gastwissenschaftler am Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU. Prof. Chabai ist Mitglied des Archäologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Kiew. Er hat ein Stipendium der Humboldt-Stiftung und wird für insgesamt 6 Monate das Institutsleben in Forschung und Lehre bereichern. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Mittel- und Jungpaläolithikum Mittel- und Osteuropas. Seit vielen Jahren forscht Prof. Chabai auf der Halbinsel Krim, wo er zahlreiche wichtige Fundstellen des Neandertalers und des frühen anatomisch modernen Menschen ausgegraben, ausgewertet und überwiegend monographisch publiziert hat. Weitere Forschungsaktivitäten haben ihn bisher u.a. nach Portugal, die USA, Rumänien, Usbekistan und Russland geführt. Weiterlesen

Prof. Dr. Viktor Chabai erhält Humboldt-Förderung

krim_02Prof. Dr. Viktor Chabai, langjähriger Kooperationspartner der Institutes-Forschungen auf der  Krim-Halbinsel, hat im Rahmen einer Sonderförderung der Humboldtstiftung einen Forschungsaufenthalt für die Kooperation mit Fachkolleginnen und Fachkollegen in Deutschland erhalten. Aus Mitteln des Auswärtigen Amtes wird ihm ein 6-monatiger Forschungsaufenthalt finanziert, den er in Erlangen absolvierten wird.

V. P. Chabai ist am Archäologischen Institut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften  tätig und ein weltweit führender Experte in der Erforschung der Neandertaler.

Prof. Dr. Klaus Schmidt verstorben

Traueranzeige Klaus Schmidt

Mit tiefer Trauer gibt das Institut für Ur- und Frühgeschichte den Tod von Prof. Dr. Klaus Schmidt bekannt.

kschmidt_1024Prof. Dr. Klaus Schmidt *11. Dezember 1953, † 20. Juli 2014

Klaus Schmidt, der sein Archäologiestudium zunächst an der FAU Erlangen-Nürnberg begonnen und dann mit einer Promotion bei Harald Hauptmann an der Universität Heidelberg erfolgreich abgeschlossen hat, ist einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Ausgrabungen am Göbekli Tepe bekannt geworden. Nachdem er die Bedeutung der Fundstelle als Tell früh-holozäner Wildbeuter erkannt hatte, begannen 1995 unter seiner Leitung die ersten Grabungen. Bis zu seinem Tod hat Klaus Schmidt die in Zusammenarbeit des Museums Şanlıurfa und der DAI – Abteilung Istanbul bzw. – seit 2001 – der Orient-Abteilung des DAI jährlich durchgeführten Feldforschungen und deren Auswertungen geleitet. Die monumentalen Steinkreise mit ihren Bilderpfeilern gelten als älteste Tempel der Menschheitsgeschichte, mit denen zugleich der folgenreiche Wechsel von einer wildbeuterischen zu einer ackerbäuerlichen Wirtschaftsweise eingeläutet wurde.

1999 wurde Klaus Schmidt mit einer Habilitationsschrift zum Thema “Funktionsanalyse der frühneolithischen Siedlung von Nevali Çori” an der FAU Erlangen-Nürnberg habilitiert und hatte seitdem die Lehrberechtigung für das Fach Ur- und Frühgeschichte inne. Der Vortrag seines Habilitationskolloquiums am 10. 5. 1999 trug den Titel “Die Altägyptische Reichseinigungszeit aus archäologischer Sicht”. Von 1999 bis 2007 war Klaus Schmidt Privatdozent an der FAU, seit 2007 Außerplanmäßiger Professor.

Prof. Dr. Klaus Schmidt starb für alle völlig unerwartet am 20. Juli 2014. Die Fachweilt verliert einen herausragenden Prähistoriker, dem sie die Entdeckung und Erforschung des Göbekli Tepe zu verdanken hat. Das Institut für Ur- und Frühgeschichte trauert darüber hinaus um einen hoch geschätzten Kollegen, der trotz seiner weltumspannenden Verpflichtungen seiner Alma Mater immer eng verbunden geblieben ist.